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Unterrichtsthema 17: Frauen in Haft

Mit dem Sieg der Alliierten über Deutschland im Zweiten Weltkrieg war das Grauen, das Unrecht und die Verfolgung von Menschen noch lange nicht beendet. In allen Teilen des Landes suchten die Siegermächte nach Tätern des Naziregimes und Gegnern der neuen Machthaber. Dabei gingen die Allierten aber äußerst unterschiedlich vor. In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), die im Osten Deutschlands lag, wurden viele Menschen schon beim geringsten Verdacht der NS-Täterschaft oder beim kleinsten Widerstand gegen die Besatzer inhaftiert. Es herrschte ein Klima der Repression, Denunziation und Willkür, dem auch tausende Frauen zum Opfer fielen. Willkürliche Inhaftierung, Demütigung und Misshandlungen von politischen Gefangenen gab es auch in der DDR.
 
 
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 Module
 
 

Einstieg

 
1. Frauen in Haft
 
Es gibt nur wenig Material über die Schicksale der politischen Häftlinge in der SBZ und der DDR und das vorhandene Material beschäftigt sich fast ausschließlich mit den Geschichten der männlichen Gefangenen. Hier sollen dagegen die Schicksale der politisch verfolgten Frauen im Vordergrund stehen. Wurden Frauen aus anderen Gründen inhaftiert und verurteilt als Männer? Kamen sie in andere Gefängnisse? Wurden sie während der Gefangenschaft anders behandelt? Und gingen sie mit ihren Erfahrungen anders um als die männlichen Gefangenen?(10-20 Min) (mehr)
 
 
 

Erarbeitung 

 
2. Gruppenarbeit zu verschiedenen Haftorten: Workuta – Gefängnis Schloss Hoheneck – Geschlossener Jugendwerkhof Torgau
 
Aus welchen Gründen wurden Frauen im 20. Jahrhundert zu "politischen Häftlingen"? Wie erging es politischen Gefangenen an den Haftorten Workuta, Hoheneck und Torgau? Welche Überlebensstrategien entwickelten sie? Wurden weibliche Gefangene anders behandelt als männliche Insassen?
 
 
2.a Workuta
 
Ende der 1940er und Anfang der 1950er Jahre kamen auch viele ostdeutsche Frauen nach Workuta. Die Gründe für ihre Inhaftierung sind aus heutiger Sicht oft schwer zu verstehen. Einigen wurde Spionage für den Westen vorgeworfen. So manche Frau wurde verhaftet, weil ihr Vater oder Ehemann als NS-Täter galt. Einige kamen ins Gefängnis, weil sie zu engen Kontakt nach Westdeutschland hegten. Manche Frauen wissen bis heute nicht, warum sie inhaftiert wurden.
Der Haftalltag für die Frauen in Workuta zeichnete sich durch tägliche, körperliche Schwerstarbeit aus, die sich von der der Männer nicht unterschied.(45-60 Min) (mehr) Detailansicht News
 
 
2.b. Gefängnis Schloss Hoheneck
 
Hoheneck, in Stollberg im Erzgebirge gelegen, besaß neben einer Dunkel- und einer Nasszelle auch eine Folterkammer im Turm "zum hohen Eck", der dem Gefängnis seinen Namen gab. Zellen und Kammer wurden zur "Erziehung" der Gefangenen und zur allgemeinen Demütigung der Frauen eingesetzt. Der Gefängnisalltag war ebenfalls menschenverachtend: Die Frauen wurden zur Schichtarbeit gezwungen, in Massenzellen mit bis zu 48 Personen gesteckt und es gab keine Privatsphäre. Inhaftierte Mütter wurden prinzipiell von ihren Kindern getrennt, aus politischen Gründen inhaftierte Frauen systematisch mit Schwerkriminellen und Mörderinnen zusammen in einer Zelle untergebracht. (45-60 Min) (mehr)
 
 
2.c Geschlossener Jugendwerkhof Torgau
 
Als Endstation des "Erziehungshilfe"-Netzwerks der DDR galt der geschlossene Jugendwerkhof Torgau. In diesen wurden so genannte "schwer erziehbare" Jugendliche eingewiesen, nachdem sie in den anderen Umerziehungsanstalten aufgefallen waren. Darunter waren zum Beispiel Jugendliche, die unter ADHS litten, sexuellen Missbrauch erlebt hatten und auffälliges Verhalten aufwiesen oder einfach in der Pubertät steckten und beim Rauchen erwischt worden waren. (45-60 Min) (mehr)
 
 
2.d Zusammenführung
 
Jedes Gefangenenschicksal ist einzigartig, auch wenn die Haftorte ähnlich organisiert waren und viele politsche Häftlinge ähnliche Erfahrungen machten. Dennoch lohnt ein Vergleich der unterschiedlichen Haftorte. So wird besonders deutlich, wie Repression zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten ausgeübt wurde. (45-60 Min) (mehr)
 
 
3.a Erinnerung und Aufarbeitung: Gibt es Wiedergutmachung?
 
Mit dem Erlebten gehen die in der SBZ oder DDR Inhaftierten sehr unterschiedlich um. Einige wollen einfach nur vergessen. Andere versuchen, das Erlebte zu verstehen und aufzuarbeiten. Wieder Andere treten mit ihrem Schicksal auch an die Öffentlichkeit und erzählen, was ihnen widerfahren ist. Die meisten wollen einfach, dass dieser schlimme, traumatische Teil unserer Geschichte nicht vergessen wird. Sie wollen daran erinnern und mahnen. Darüber hinaus setzen sich Viele für Entschädigungszahlungen ein. (45-60 Min) (mehr)
 
 
3.b Stationsarbeit: Frauen in (politischer) Haft heute
 
In vielen Ländern der Welt gibt es auch heute noch politische Häftlinge. Derzeit wird in den Medien vor allem über politische Haft in China, Nordkorea und der Ukraine diskutiert. Medial besonders präsent ist der Fall der ehemaligen ukrainischen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko. In diesem Modul sollen auch weniger bekannte Beispiele politischer Haft in den Blick kommen. (45-90 Min) (mehr)
 
 
 

Schlussbetrachtung

 
4. Diskussion: Entschädigung der DDR-Zwangsarbeiter durch Ikea
 
Die Frage der Rehabilitierung und Entschädigung politischer Gefangener wurde unlängst stark diskutiert. Auslöser waren Anschuldigungen an die Möbelhauskette IKEA. IKEA soll durch Auftragsarbeiten von der Zwangsarbeit politischer Häftlinge proftiert haben. (20-30 Min) (mehr)
 
 

Literatur

 
- Fleck, Annelise: Workuta überlebt! Eine Frau in Stalins Straflager. Berlin, Bonn, Herford 1994.

- Gatzemann, Andreas: Die Erziehung zum "neuen" Menschen in Torgau. Ein Beitrag zum kulturellen Gedächtnis. Berlin 2008.

- Gatzemann, Andreas: Der Jugendwerkhof Torgau. Das Ende der Erziehung. Berlin 2009.

- Hedeler, Wladislaw/Hennig, Horst Hennig (Hg.): Schwarze Pyramiden, rote Sklaven. Der Streik in Workuta im Sommer 1953. Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung Bd. 686. Bonn 2008.

- Latotzky, Alexander: Kindheit hinter Stacheldraht. Mütter mit Kindern in sowjetischen Speziallagern und DDR-Haft. Leipzig 2001.

- Neumann, Eva-Maria: Sie nahmen mir nicht nur die Freiheit. Die Geschichte einer gescheiterten Republikflucht. München 2008.

- Poppe, Grit: Weggesperrt. Hamburg 2009.  Rezension auf deineGeschichte.de

- Riepl, Maggie/von Nayhauß, Dirk (Hg.): Der dunkle Ort. 25 Schicksale aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck. Berlin 2012.

- Schacht, Ulrich (Hg.): Hohenecker Protokolle. Aussagen zur Geschichte der politischen Verfolgung von Frauen in der DDR. Dresden 2004.

- Thiemann, Ellen: Stell dich mit den Schergen gut. Erinnerungen an die DDR. Meine Wiederbegegnung mit dem Zuchthaus Hoheneck. München 1990.

- Veith, Ines: Hoheneck. Frauen in politischer Haft. 1950-1989 Erfahrungen und Erinnerung. Bad Liebenzell 2001.


 
Links
 
- Projektseite des Vereins MEMORIAL e.V. zum Lagersystem Gulag: http://www.gulag.memorial.de/
 
- Homepage des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen: http://www.frauenkreis-hoheneckerinnen.de/index.html
 
- Homepage der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau: http://www.jugendwerkhof-torgau.de/
 
- Überblick über Haftorte in SBZ und DDR:
http://www.orte-der-repression.de/
 
 
Filme
 
- Ein Tag zählt wie ein Jahr. Eine Produktion von Kristin Derfler und Dietmar Klein, gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, 2010.
Rezension auf DeineGeschichte.de

- Reportagereihe SPURENSUCHE: "Ich war im Kinderknast von Torgau. Jürgen Fliege begleitet Andreas Freund." Erinnerungen an den Jugendwerkhof in Torgau.
 
 
Andere Medien
 
- Umfangreiche Multimedia-DVD: GJWH. Eine DVD von Kornelia Beer, Klaus Charbonnier, Stefan Nolte, Matthias Pfüller, Alexander Reich. Umfangreiche Multimedia-DVD mit zahlreichen Interviews von Zeitzeugen. Theater Provinz Kosmos e.V. mit der FH für soziale Arbeit Mittweida-Rosswein und Politische Memoriale e.V. und Unterstützung der EBS Torgau. Gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
 
 
Foto: "Jailed Beauty" (Flickr/ Justin Grandfield).
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