Deutsch-Deutsche Geschichte in Bildung und Schule
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Dossier: Geschichte Digital

Veranstaltungsbericht: Geschichte digital - Das war die .hist2011

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Redaktion

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10.10.2011

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Geschichte aus Nullen und Einsen, ist das möglich? Am 14. und 15. September 2011 fand an der Humboldt-Universität Berlin die Tagung .hist2011 – Geschichte im digitalen Wandel statt. Ausgerichtet wurde sie von  H-Soz-u-Kult und Clio-online gemeinsam mit L.I.S.A. – Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung .

Wie bei den vorangegangenen .hist-Tagungen wurden im Rahmen von Podiumsdiskussionen und einer Reihe von Werkstattberichten die Entwicklungen digitaler Medien und netzbasierter Arbeitstechniken in den Geschichtswissenschaften und der Geschichtsbildung kritisch reflektiert. 
 
Einig waren sich alle: die digitale Technologie ist aus den Elfenbeintürmen der Geschichts- und Geisteswissenschaften nicht mehr weg zu denken. Wie aber verändern sich Forschung und Lehre, wenn sich die Universitäten und Schulen auf mehr als Mailinglisten, Onlineliteraturdatenbanken und Online-Lernplattformen einlassen? Wie verändern sich das Bewusstsein und der Umgang mit Geschichte, wenn die Technologie historische Analyseprozesse modifiziert, wenn riesige online-Datenmengen ("Big Data") neue Formen der Quellendokumentation und Auswertung erfordern, weil die klassische Quellenkritik an ihre analogen Grenzen stößt. Wie ist die wissenschaftliche Auswertung und qualitative Interpretation digitaler Quellen (Ressourcen) möglich und organisierbar?
 
"Data driven history", "Cloud Computing" oder "Citizen Cyber Science" sind nur einige der vieldiskutierten Begriffe, über die Geschichtswissenschaftler, Medienforscher und ITler auf der Tagung in Berlin debattierten. Ängste, wie der Verlust der Qualitätskontrolle und der Marktunabhängigkeit wurden dabei ebenso thematisiert wie euphorische Visionen.  Zeitnahe globale Zugänglichkeit und Dokumentation auch schwer zugänglicher Quellen und Informationen sowie direkte Vernetzung und der produktive Austausch zwischen Experten und Laien waren hier nur einige der zukunftsweisenden Ideen.
 
Bei den Themen "Grenzverschiebungen zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit" und "Vernetztes Wissen / Semantic Web" wurden nicht nur die Aspekte virtuellen Forschens innerhalb universitärer Strukturen diskutiert, sondern es rückten auch weborientierte Formen außeruniversitärer Geschichtsvermittlung und gesellschaftlichen Geschichtsverständnisses in den Blickpunkt. Dabei stellten z.B. Karsten Borgmann und Jürgen Danyel von Dokupedia-Zeitgeschichte und Michail Hengstenberg von einestages.de ihre Projekte vor und verwiesen auf die Potentiale neuer kollaborativer Vermittlung von Geschichte. 
 
Was tatsächlich aus Geschichte, Geschichtsbildung und den Geschichtswissenschaften wird, wenn historische Daten, Quellen, Informationen und Meinungen, bestehend aus Nullen und Einsen, in Sekundenschnelle zusammengetragen und ausgewertet werden und wie diese Auswertungen dann aussehen, konnten und wollten viele der Tagungsteilnehmer nicht prognostizieren. Es zeigte sich jedoch, dass die Chancen, die der digitale Wandel für die Forschung und die Geschichtsvermittlung bietet, erkannt und mit spannungsvoller Erwartung begrüßt wurden.
 
Sophia Ihle
 
Foto: flickr / MedienGuerilla
 
Weitere Veranstaltungsberichte, die Programmübersicht und Informationen zu den Referenten dieser Tagung sind hier zu finden.
 
Eine ausführliche Tagungsdokumentation inklusive Presseschau, Videomitschnitten und der Zusammenfassung der wichtigsten Thesen gibt es hier.

 
Auf der Tagung sprach Sophia Ihle mit Karsten Borgmann von Docupedia-Zeitgeschichte. Das Interview ist hier nachzuhören.
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