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Mauersplitter: "So schnell wie möglich die Wiedervereinigung"

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Helmut Kohl in Dresden – Deutschlandfunk-Reporter Wolf Renschke berichtet
 
"Der Vorplatz vor der Frauenkirche, wo der Bundeskanzler in wenigen Minuten erwartet wird, ist gesäumt von Tausenden von Menschen, die meisten von ihnen führen Fahnen mit sich. Schwarz-rot-goldene Fahnen ohne das DDR-Symbol von Hammer und Zirkel. Es wird 'Deutschland - einig Vaterland' skandiert, wie man im Hintergrund hören kann, und ich frage jetzt mal einige, die hier sind: 'Welche Erwartungen haben Sie an die Rede von Bundeskanzler Helmut Kohl?'"
 
Mann: "Ja, ich möchte auf alle Fälle die Wiedervereinigung."
 
Reporter: "Soll die rasch kommen, oder soll das noch ein Weilchen dauern?"
 
Frau: "Ne."
 
Mann: "Auf alle Fälle - nächste Woche vielleicht schon. Und nach den Wahlen: Volksentscheid."
 
Frau: "Nein."
 
Reporter: "Was erwarten Sie von der Kohl-Rede?"
 
Zweiter Mann: "Dasselbe. So schnell wie möglich die Wiedervereinigung. Gibt's gar keine Frage."
 
Dritter Mann: "Einheit von Deutschland."
 
Zweite Frau: "Ich will gar keine Wiedervereinigung. Ich will eine Einheit Deutschlands und die also vor '95, glaube ich, wenn man das real betrachtet, ist das nicht möglich."
 
Dritte Frau: "Wir wollen Wiedervereinigung!"
 
Zweite Frau: "Nein! Keine Wiedervereinigung!"
 
Dritte Frau: "Doch! Was gibt's denn in den Kaufhäusern? Gar nichts!"
 
Zweite Frau: "Darum geht's doch gar nicht.Wiedervereinigung heißt für mich mit den Grenzen vor '45."
 
Dritte Frau: "Wir brauchen die Unterstützung vom Westen. Auf alle Fälle."
 
Vierter Mann: "Im Prinzip geht meine Meinung dahin, dass wir uns - zwar unter Mithilfe der Bundesrepublik, aber doch eigentlich alleine hoch rappeln möchten."
 
 
"Mauersplitter" war eine 218-teilige O-Ton Dokumentation des Deutschlandfunks zum Jubiläum des Mauerfalls. Die Sendereihe startete am 18. August 2009 und endete am 18. März 2010 mit dem 20. Jahrestag der ersten freien Wahlen in der DDR. Sie wurde in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung erarbeitet.

Bekannte wie vergessene Dokumente dieser Zeit wurden ins Gedächtnis gerufen. Die Mauersplitter waren ein akustisches Mosaik aus Originaltönen und Textzitaten, die – nie länger als eine Minute – zum Erinnern, Reflektieren und Weiterdenken einladen sollten. Von August bis März ein Tondokument für jeden Tag. Aus dem scheinbar Fragmentarischen entstand so ein akustischer roter Faden, der das dramatische Geschehen jener Zeit durchwirkte und ihm eine innere Logik verlieh. 

In den Mauersplittern wurde ausschließlich unkommentiertes Originalmaterial präsentiert. Dafür wurden nicht nur die Archive des Deutschlandradios herangezogen, sondern auch in den Archiven der Birthler-Behörde, der Robert-Havemann-Stiftung und im Deutschen Rundfunkarchiv, das die Bestände des DDR-Rundfunks und -Fernsehens beherbergt, recherchiert. 

Einige der Mauersplitter wurden DeineGeschichte vom Deutschlandfunk bzw. dem Deutschen Rundfunkarchiv (DRA) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
 
Alle Frequenzen vom Deutschlandfunk stehen hier.
 
 
Foto: VivaoPictures/flickr
 
 
 

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