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Neue Kunst auf alten Sockeln? (Berlin)

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29.03.2011

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Einst prangte das Reiterdenkmal Kaiser Wilhelms auf der Berliner Schlossfreiheit. Bald soll dort ein Freiheits- und Einheitsdenkmal an die Friedliche Revolution von 1989 erinnern. Vorab stellen 16 Informationstafeln schon einmal die drei finalen Entwürfe vor.
 
Berlin ist arm, heißt es. Was die Denkmale in der Hauptstadt betrifft, so kann man das jedoch nicht gerade behaupten. Ob Brandenburger Tor, Berliner Mauer oder Holocaust-Mahnmal – sowohl Anzahl als auch Vielfalt der Monumente scheinen kein Ende zu finden. Zum memorialen Sammelsurium könnte bald auch das Freiheits- und Einheitsdenkmal, welches die Deutsche Gesellschaft bereits seit 1998 plant, gehören. Zuletzt waren die Initiatoren der Denkmal-Idee, Dr. h.c. Lothar de Maizière, Jürgen Engert, Florian Mausbach und Günter Nooke, im Zeughaus des Deutschen Historischen Museums in Berlin zusammengekommen, um unter dem Titel „Wir sind das Volk – Wir sind ein Volk“ über Sinn und Zweck des Denkmals zu sprechen. So einheitlich wie das Projektmotto verlief dann auch die Podiumsrunde, bevor es zur Besichtigung der neuen Informationstafeln auf die Schlossfreiheit ging. 
 
Die Wahl des Standortes sei dabei bewusst auf den alten Sockel des früheren Kaisermonuments gefallen. „Wir wollen das Gegenteil von dem, was dort stand“, erklärte der ehemalige DDR-Ministerpräsident und Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft, Lothar de Maizière. Auch der Gegensatz zum Holocaust-Mahnmal steht für die Initiatoren im Vordergrund, indem die positiven Seiten der deutschen Geschichte aufgegriffen und ein Diskurs über das nationale Bewusstsein angeregt werden soll. „Deutsche tun sich mit der Frage nach der deutschen Nation sehr schwer“, bemerkte der ehemalige SFB-Journalist, Jürgen Engert, und betonte die Erinnerungsfunktion des „Denk-mals“. Laut Florian Mausbach, Ex-Präsident des Bundesamtes für Bauwesen, soll der Bürger vor allem die Möglichkeit erhalten, sich sinnbildlich mit dem Ort zu identifizieren. Demnach sprach er sich für die Entwicklung der Prachtstraße Unter den Linden zu einer „nationalen Geschichtsmeile der Deutschen“ aus. Bei soviel Einheit im Podium blieb auch das Auditorium einheitlich – nämlich stumm. Lediglich eine Stimme meldete sich vorsichtig zu Wort, um nach dem Bezug zum zeitgleich geplanten Freiheits- und Einheitsdenkmal in Leipzig zu fragen.
 
Schon 2007 hatte der Deutsche Bundestag sowohl dem Leipziger als auch Berliner Projekt grünes Licht gegeben. Dass Freiheit und Einheit „sich nicht von heute auf morgen erledigen“ lassen, wie Ingeborg Berggreen-Merkel, Abteilungsleiterin beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, in ihrer Begrüßungsrede anmerkte, wird insbesondere angesichts des zähen Auswahlverfahrens der Vorjahre deutlich. Nachdem die erste Runde des offenen Gestaltungswettbewerbs 2009 obgleich der über 500 Einsendungen ohne Ergebnis verlaufen war, kam es 2010 letztlich zur Auswahl eines skulpturalen, eines figürlichen und eines architektonischen Entwurfes. Nun soll eine Jury noch einmal zwischen „Im Licht von Freiheit und Einheit“ von Professor Andreas Meck, „Der Kniende“ von Professor Stephan Balkenhol sowie „Bürger in Bewegung“ von Milla & Partner in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Sasha Waltz entscheiden. 
 
Während die Einheit über einen Sieger bisher auf sich warten ließ, dürfte mit 10 Millionen Euro staatlicher Bezuschussung zumindest der Finanzierungsfrieden gesichert sein. Schließlich soll in diesem Frühjahr endlich die Entscheidung zum Gewinnerentwurf fallen. Es bleibt also zu hoffen, dass die Denkmal-Initiatoren Recht behalten: „Was lange währt, wird (endlich) gut.“
 
 
 
Karo Krämer hat mit dem Mitinitiator Jürgen Engert gesprochen. Im Podcast erzählt er Näheres zu Hintergrund und Planung des Freiheits- und Einheitsdenkmals. 
 
 
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Foto: Karo Krämer
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