Aktuelles
Bildungspolitische Kleinstaaterei
Die "Digital Natives" sind wie keine andere Generation mit Medien ausgestattet. Ein Leben ohne Google, Facebook und Co. ist nicht mehr vorstellbar. Das heißt jedoch nicht, dass die Jugendlichen ausreichend Medienkompetenz besitzen. Forscher und Pädagogen sind sich einig: Sowohl bei Jugendlichen als auch bei Lehrenden gibt es erhebliche Defizite. Die Initiative "Keine Bildung ohne Medien!" forderte auf ihrem ersten Kongress deshalb eine allgemeine, verbindliche Grundbildung.
Während der erste Tag des medienpädagogischen Kongresses "Keine Bildung ohne Medien!", der am 24. und 25. März in Berlin stattfand, sich an die Fachöffentlichkeit richtete, sollte der zweite Tag dem Austausch zwischen Teilnehmenden und Vertretern aus der Politik dienen.
Das Ziel des Kongresses, ein "Signal an die Politik" auszusenden, wurde in mehrfacher Hinsicht erreicht. Zum einen spricht das immense Interesse an Manifest und Kongress selbst für sich (über 400 Fachleute aus Bildung und Wissenschaft kamen zusammen). Zum anderen hat der Kongress es geschafft, verschiedene medienpädagogische Gruppen und Personen unter dem Dach eines gemeinsamen Interesses zusammenzubringen. Dadurch wurden ein disziplinen- und institutionenübergreifender Diskurs angestoßen sowie viele neue Netzwerke etabliert. Vor allem aber hat der Kongress deutlich gemacht, dass eine breite Basis medienpädagogischer Fachleute eine bildungspolitische Veränderung hinsichtlich Medienbildung bzw. -erziehung unbedingt einfordert und grundlegende Maßnahmen von der Politik erwartet.
Aus den Ergebnissen der AGs am ersten Kongresstag wurden Kernforderungen artikuliert, wie z.B. die Verankerung einer Mediengrundbildung innerhalb der Lehrer- und Pädagogenausbildung, die Einrichtung nachhaltiger medienpädagogischer Förderung anstelle kurzfristiger Projekte sowie die Forderung, mediale Lernkulturen in allen Bereichen (Schule und Hochschule, außerschulische und frühkindliche Bildung) zu etablieren.
Ein Streitpunkt blieb nach wie vor die Perspektive der Medienbildung in der Forschung. Dabei wurde vor allem kritisiert, dass Bund und Länder gegenläufig arbeiten. Professor Horst Niesyto, Initiator und Sprecher der Initiative, forderte das Ende der "bildungspolitischen Kleinstaaterei" und die bundesweite Einführung von Mindeststandards in der Medienbildung. Die Entscheidungshoheit in Bildungsfragen liegt im Wesentlichen bei den Bundesländern. Während auf Bundesebene die Notwendigkeit von Medienbildung und Medienkompetenzförderung schon lange betont wird, werden auf Länderebene Forschungsinstitutionen und Professuren im Bereich der Medienpädagogik gestrichen. Forschende Professuren aber, so der Kanon auf dem Kongress, sind wichtig, um Methoden in dem komplexen und wenig erschlossenen Feld der Neuen Medien etablieren zu können.
Als Fazit des Kongresses lässt sich festhalten: Es müssen Standards der Medienkompetenzbildung festgelegt werden, die allgemein verbindlich sind und z.B., wie in Baden-Württemberg bereits geplant, in das Lehramtsstudium aufgenommen werden. Politik, Wissenschaft und Pädagogik müssen mehr Mut zur Entscheidung beweisen, um endlich "Nägel mit Köpfen" zu machen. Medienbildung muss als Elementarbildung wahrgenommen werden.
Johanna Schniedergers
Foto: Johanna Schniedergers
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Während der erste Tag des medienpädagogischen Kongresses "Keine Bildung ohne Medien!", der am 24. und 25. März in Berlin stattfand, sich an die Fachöffentlichkeit richtete, sollte der zweite Tag dem Austausch zwischen Teilnehmenden und Vertretern aus der Politik dienen.
Das Ziel des Kongresses, ein "Signal an die Politik" auszusenden, wurde in mehrfacher Hinsicht erreicht. Zum einen spricht das immense Interesse an Manifest und Kongress selbst für sich (über 400 Fachleute aus Bildung und Wissenschaft kamen zusammen). Zum anderen hat der Kongress es geschafft, verschiedene medienpädagogische Gruppen und Personen unter dem Dach eines gemeinsamen Interesses zusammenzubringen. Dadurch wurden ein disziplinen- und institutionenübergreifender Diskurs angestoßen sowie viele neue Netzwerke etabliert. Vor allem aber hat der Kongress deutlich gemacht, dass eine breite Basis medienpädagogischer Fachleute eine bildungspolitische Veränderung hinsichtlich Medienbildung bzw. -erziehung unbedingt einfordert und grundlegende Maßnahmen von der Politik erwartet.
Aus den Ergebnissen der AGs am ersten Kongresstag wurden Kernforderungen artikuliert, wie z.B. die Verankerung einer Mediengrundbildung innerhalb der Lehrer- und Pädagogenausbildung, die Einrichtung nachhaltiger medienpädagogischer Förderung anstelle kurzfristiger Projekte sowie die Forderung, mediale Lernkulturen in allen Bereichen (Schule und Hochschule, außerschulische und frühkindliche Bildung) zu etablieren.
Ein Streitpunkt blieb nach wie vor die Perspektive der Medienbildung in der Forschung. Dabei wurde vor allem kritisiert, dass Bund und Länder gegenläufig arbeiten. Professor Horst Niesyto, Initiator und Sprecher der Initiative, forderte das Ende der "bildungspolitischen Kleinstaaterei" und die bundesweite Einführung von Mindeststandards in der Medienbildung. Die Entscheidungshoheit in Bildungsfragen liegt im Wesentlichen bei den Bundesländern. Während auf Bundesebene die Notwendigkeit von Medienbildung und Medienkompetenzförderung schon lange betont wird, werden auf Länderebene Forschungsinstitutionen und Professuren im Bereich der Medienpädagogik gestrichen. Forschende Professuren aber, so der Kanon auf dem Kongress, sind wichtig, um Methoden in dem komplexen und wenig erschlossenen Feld der Neuen Medien etablieren zu können.
Als Fazit des Kongresses lässt sich festhalten: Es müssen Standards der Medienkompetenzbildung festgelegt werden, die allgemein verbindlich sind und z.B., wie in Baden-Württemberg bereits geplant, in das Lehramtsstudium aufgenommen werden. Politik, Wissenschaft und Pädagogik müssen mehr Mut zur Entscheidung beweisen, um endlich "Nägel mit Köpfen" zu machen. Medienbildung muss als Elementarbildung wahrgenommen werden.
Johanna Schniedergers
Foto: Johanna Schniedergers






