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Presseschau: Riesenwippe bringt Presse in Schwung

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18.04.2011

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Am Mittwoch gab Kulturstaatsminister Bernd Neumann den Sieger des Wettbewerbs um das Freiheits- und Einheitsdenkmal bekannt. Das Rennen machte das Projekt "Bürger in Bewegung" des Stuttgarter Architektenbüros "Milla & Partner" in Zusammenarbeit mit der Berliner Choreographin Sasha Waltz. Humorvoll bis zynisch reagierte die Presse auf die Entscheidung, eine riesige, güldene Waagschale auf der Berliner Schlossfreiheit zu errichten.
 
Als den "fraglos besten" Entwurf unter den knapp 400  Einsendungen sieht Peter von Becker  vom Tagesspiegel das 50 Meter lange Gebilde. Dass das neue Denkmal zugleich nur ein weiteres unter vielen darstelle, steht für ihn jedoch ebenso außer Frage. Den Wunsch, "auf Straßen und Plätzen Zeichen zu setzen", sieht von Becker in der Gegebenheit begründet, dass wir in einer Informations- statt Wissensgesellschaft leben. Weiter berge moderne Kunst, die zur Abstraktion neige, die Gefahr, zu offen und unbestimmbar zu sein – eine "Schale ohne Kern" eben.
 
Ausführlich und bildhaft schreibt Eckhard Fuhr in Die Welt über Hintergrund, Weg und Vision des schalenförmigen Denkmals, das "dem deutschen Volk zur inneren Einkehr und zum Strampeln dienen" werde. Auch er verweist auf die Interpretationsfreiheit des Denkmals. Zugleich kritisiert er die Durchsichtigkeit des "Manövers", welches zeige, dass die Entscheider offenbar selbst unsicher über den gewählten Entwurf seien. Die Leser können in einer Leserdebatte über Sinn und Unsinn des neuen Nationaldenkmals diskutieren. 
 
Ausführlichen Raum zur Diskussion bietet auch die Süddeutsche Zeitung. Im Kontext der Interpretationsbeliebigkeit des Werkes verweist die Verfasserin Ruth Schneeberger vor allem auf die kritischen Stimmen, welche dem Entwurf "Gefälligkeit, Harmlosigkeit und Harmoniebedürftigkeit" vorwürfen. Umstritten sei zudem nicht nur, dass es gebaut werde, sondern auch, welcher Entwurf zum Sieger gekürt wurde. Das Ergebnis einer Meinungsumfrage der Süddeutschen Zeitung, die ermitteln will, was das Volk vom Entwurf hält, spricht für sich: 30% gefällt es "überhaupt nicht", lediglich 17% bezeichneten das Projekt von Milla & Partner als ihren "Lieblingsentwurf" (Stand: 18.04.11, 10:00 Uhr).
 
Fast ein wenig verniedlichend klingt dagegen die Überschrift der Potsdamer Neueste Nachrichten: "Das Einheitsdenkmal wird eine Schaukel". So schaukelt auch der Artikel zwischen den Fragen "Was zeichnet das Denkmal aus?" und "Wird das Denkmal angenommen werden?" hin und her. Letzterem steht die Autorin Nicola Kuhn kritisch gegenüber. Der Entwurf von Milla sei zwar "sympathisch", könne zugleich jedoch zu "pathetisch" wirken. "Der Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm auf der Schlossfreiheit bliebe am besten leer – als Raum zum Denken. Wenn es nur so wär’." 
 
Es stellt sich zudem die Frage, ob das Denkmal seinem volksverbindenden Anspruch gerecht wird, wenn schon im Vorfeld nicht jeder auf der Projektschale "mitwippen" darf. So hatten die Linken und die Grünen kein Stimmrecht in der Jury erhalten. Doch auch wenn die Einheit über das Denkmal hinkt, so bleibt wenigstens der kleine Wink: die Gedanken sind frei, man kann sie erraten… .
 
 
 
Karo Krämer
 
 
Foto: flickr / dongga BS
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