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Dossier: Mauerbau

Kalenderblatt: Als der Osten dicht machte

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12.08.2011

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Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass die SED-Regierung die Berliner Mauer errichten ließ. Über Nacht entstand eine Grenze, die bis zur Friedlichen Revolution im Jahr 1989 nicht nur Ost- und Westberlin, sondern vor allem Familien und Freundschaften auseinander riss. Die Mauer wurde darüber hinaus zum Statussymbol des Ost-West-Konflikts.
 
 
"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten."
 
Gegen fünf Uhr morgens ging es los. Bewaffnete Grenzpolizisten positionierten sich an der innerstädtischen Demarkationsgrenze, Bauarbeiter begannen zu schaufeln und die Bevölkerung musste zusehen, wie sie ummauert wurde. Bewusst hatte die SED-Regierung sie im Dunkeln über ihre Pläne gelassen. Noch wenige Wochen zuvor hatte der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht verkündet: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten." Sein Befehl zum Mauerbau folgte in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961.  
 
Bereits in den 1950er Jahren hatte die DDR-Führung vorbereitende Abriegelungs-Maßnahmen unternommen, um die Flucht der eigenen Bevölkerung zu unterbinden. Da die gut 43 Kilometer lange Sektorengrenze, die als Stadtgrenze zwischen West- und Ostberlin verlief, jedoch kaum zu kontrollieren war, blieb sie zunächst offen. 
 
 
Verhärtete Fronten
 
Der Bau der Berliner Mauer im Sommer 1961 gilt heute als Symbol für den Kalten Krieg, der als ein Zustand wirtschaftlichen, militärischen und politischen Kräftemessens seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zwischen dem Ostblock und den Westmächten herrschte. Denn entgegen der Mangelwirtschaft in der DDR – bedingt durch Repressalien und ökonomische Abhängigkeit von der Sowjetunion – florierte die vom amerikanischen Marshall-Plan geförderte West-Wirtschaft. Aufgrund des attraktiveren Arbeitsmarktes im Westen hatten bis zur Grenzschließung bereits über 3 Millionen Menschen den Ostblock verlassen. Als der Osten im Sommer 1961 schließlich „dicht“ machte, wurde deutlich, dass die Verhärtung der politischen und wirtschaftlichen Fronten zwischen Bundesrepublik und DDR ihren betongewordenen Gipfel erreicht hatte.
 
Von der SED-Regierung hingegen wurde die Mauer als "antifaschistischer Schutzwall" propagiert, der den Arbeiter-und-Bauernstaat vor den Einflüssen aus dem "kapitalistischen Westen" bewahren sollte. Dieses "Bewahren" nahm schon bald strikte Züge an. Aus den ersten Barrieren und Sperranlagen vom Anfang der 1960er Jahre wurde eine befestigte Betonmauer mit Stacheldrahtzäunen und Beobachtungstürmen. 155 km Länge und eine Höhe von bis zu 3,60 Metern maß die Befestigung zu Westberlin, die im sogenannten Todesstreifen, d.h. zwischen vorderer und hinterer Mauer, zwischen fünf und mehreren hundert Metern breit war. Mit dem Ausbau der Mauer ging auch eine zunehmend strengere Überwachung durch Volkspolizei und Grenzsoldaten einher. Für mehr als 130 Menschen endete der Fluchtversuch in die Bundesrepublik zwischen 1961 und 1989 tödlich. Circa 5.000 DDR-Bürger konnten dennoch über die Grenze fliehen. Nach der Wiedervereinigung wurden die Verantwortlichen und Ausführenden der Tötungsdelikte und Schießbefehle im Zuge der Mauerschützenprozesse 1991 bis 2004 vor Gericht gestellt. 
 
 
Reaktionen aus dem Westen
 
Obwohl die Westmächte vom Plan "drastischer Maßnahmen" zur Absperrung Berlins wussten, gaben sie sich angesichts des konkreten Zeitpunkts und Ausmaßes der Grenzerrichtung überrascht. So reagierte auch John F. Kennedy eher gemäßigt. Zwar entsandte er ein Militärkonvoi, das er demonstrativ über die Transitautobahn nach Berlin fahren ließ, eine Veranlassung zu einem tatsächlichen militärischen Eingriff sah der amerikanische Präsident jedoch nicht. Schließlich seien die Besatzungsrechte der Alliierten in Westberlin weiterhin gewährleistet. Auch Bundeskanzler Konrad Adenauer hielt sich bedeckt. Er kritisierte die Absperrmaßnahmen als Verletzung der Menschenrechte und des Berliner Vier-Mächte-Status. Wirkungsvollen Protest erhob jedoch hauptsächlich der regierende Bürgermeister von West-Berlin, Willy Brandt. Auf seine Forderung hin gründeten die westdeutschen Bundesländer noch im Jahr des Mauerbaus die Zentrale Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltung, welche sich die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen in der DDR zur Aufgabe gesetzt hatte. Nach der Wiedervereinigung übernahmen dann die örtlichen Strafverfolgungsbehörden der neuen Bundesländer diese Aufgabe.
 
Zwar gab es vereinzelte Solidaritätseinsätze seitens der Westdeutschen, wie jenen vom 16. August 1961, bei dem und 300.000 West-Berliner gegen die Grenzerrichtung vor dem Rathaus Schöneberg protestierten. Das Zentrum des Widerstands fand sich jedoch in der DDR selbst. Ihren Unmut über das Regime und die deutsche Teilung äußerten viele Widerständler beispielsweise über Kunst, Musik oder Literatur. Einige von ihnen wurden daraufhin von der Stasi verhaftet, andere wiederum gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, indem sie nach Westdeutschland (zwangs-)ausgesiedelt wurden. 
 
 
Erinnern und Gedenken heute
 
Einige Teile des ehemaligen Grenzstreifens sind noch heute als Gedenkort erhalten, da sich seit der Wiedervereinigung vor allem die Berliner Denkmalpflege und die Gedenkstätten für die Erinnerung und Aufarbeitung der "geteilten Zeit" einsetzen. Teile der Mauer finden sich in der ganzen Welt verstreut – ob in Museen, Gedenkstätten oder Souvenirläden. Die weltweit längste Mauer-Galerie bildet die East Side Gallery in Berlin-Friedrichshain. 118 Künstler aus aller Welt bemalten und besprühten nach der Wiedervereinigung die graue Ostseite der Berliner Mauer und kommentierten in rund 100 Gemälden den politischen Umbruch der Jahre 1989/90. 
 
Erinnern und Gedenken möchte auch die Gedenkveranstaltung "50 Jahre Mauerbau" am 13. August 2011 der Gedenkstätte Berliner Mauer sowie an anderen Orten in Berlin. Eine Übersicht über die Gedenkveranstaltungen gibt es hier.
 
 
Wer die Mauer einmal dreidimensional erkunden möchte, kann das in dieser 3D-Animation des Mauerverlaufs tun.
 
 
 
Karo Krämer
 
 
 
 
 
 
 
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Foto: Karo Krämer 
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