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Dossier: Kunst & Kultur in der DDR
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Unter dem Titel "Mémoires" präsentierte Seiichi Furuya in diesem Herbst erstmals in Berlin (Galerie Thomas Fischer) die ergreifenden Portraits seiner früh verstorbenen Frau und die einzigartigen Fotografien der gemeinsamen Lebensstationen Wien, Dresden und Ost-Berlin.
Seiichi Furuya emigrierte Anfang der 1970er Jahre von Japan nach Europa und begegnete in Graz 1978 der Schauspielstudentin Christine Gößler, die er in den folgenden sieben Jahren beinahe täglich fotografierte. "Ich hatte einfach das Gefühl, ich muss sie fotografieren. Es war wie die tägliche Mahlzeit."
Wenige Monate nach ihrer ersten Begegnung heirateten Christine Gößler und Seiichi Furuya. Mit ihrem gemeinsamen Sohn lebten sie in Wien, als Christine psychisch erkrankte. Die Möglichkeit, in Dresden für eine japanische Baufirma arbeiten zu können, veranlasste Furuya mit seiner Frau und ihrem Sohn in die DDR zu ziehen.
Während Furuya, eingebunden in den Arbeitsalltag, ein Beobachter der fremden Lebenswelt blieb und eine interessierte Distanz wahren konnte, litt Christine verstärkt unter den beengenden und reglementierten Strukturen der neuen Umgebung in der DDR. Der Familie war der Kontakt zur Bevölkerung untersagt, sodass Christine mehr und mehr in die Isolation geriet.
Am 7. Oktober 1985, am Tag der Republik, beging Christine mit einem Sturz aus dem 9. Stock der gemeinsamen Wohnung in Hohenschönhausen (Ost-Berlin) Selbstmord.
Unter dem Titel "Mémoires" veröffentlichte Seiichi Furuya seit 1989 fünf Künstlerbücher, die eine visuelle Gedächtnisarbeit und eine persönliche Widmung an Christine bedeuten. 2010 erschien der letzte Band dieser Reihe, der die Grundlage für die Ausstellung in Berlin bildete. Es sind die letzten gemeinsamen Jahre, die Furuya hier präsentierte und die eine bedrückende Parallelität von außen und innen, von der gesellschaftlichen Enge der letzten DDR-Jahre und der psychischen Ausweglosigkeit von Christine suggerieren.
Wir haben die Ausstellung besucht und mit dem Künstler gesprochen.
Text und Interview: Sophia Ihle
Kamera und Schnitt: Johannes Girke
Fotos: Seiichi Furuya. Mit herzlichem Dank an den Fotografen und Thomas Fischer für die Genehmigung der Verwendung der Fotografien in diesem Beitrag
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Reportage: Fotografien gegen das Vergessen
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Datum
03.11.2011
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Verlust und Erinnerung in den "Mémoires" von Seiichi Furuya
Unter dem Titel "Mémoires" präsentierte Seiichi Furuya in diesem Herbst erstmals in Berlin (Galerie Thomas Fischer) die ergreifenden Portraits seiner früh verstorbenen Frau und die einzigartigen Fotografien der gemeinsamen Lebensstationen Wien, Dresden und Ost-Berlin.
Seiichi Furuya emigrierte Anfang der 1970er Jahre von Japan nach Europa und begegnete in Graz 1978 der Schauspielstudentin Christine Gößler, die er in den folgenden sieben Jahren beinahe täglich fotografierte. "Ich hatte einfach das Gefühl, ich muss sie fotografieren. Es war wie die tägliche Mahlzeit."
Wenige Monate nach ihrer ersten Begegnung heirateten Christine Gößler und Seiichi Furuya. Mit ihrem gemeinsamen Sohn lebten sie in Wien, als Christine psychisch erkrankte. Die Möglichkeit, in Dresden für eine japanische Baufirma arbeiten zu können, veranlasste Furuya mit seiner Frau und ihrem Sohn in die DDR zu ziehen.
Während Furuya, eingebunden in den Arbeitsalltag, ein Beobachter der fremden Lebenswelt blieb und eine interessierte Distanz wahren konnte, litt Christine verstärkt unter den beengenden und reglementierten Strukturen der neuen Umgebung in der DDR. Der Familie war der Kontakt zur Bevölkerung untersagt, sodass Christine mehr und mehr in die Isolation geriet.
Am 7. Oktober 1985, am Tag der Republik, beging Christine mit einem Sturz aus dem 9. Stock der gemeinsamen Wohnung in Hohenschönhausen (Ost-Berlin) Selbstmord.
Unter dem Titel "Mémoires" veröffentlichte Seiichi Furuya seit 1989 fünf Künstlerbücher, die eine visuelle Gedächtnisarbeit und eine persönliche Widmung an Christine bedeuten. 2010 erschien der letzte Band dieser Reihe, der die Grundlage für die Ausstellung in Berlin bildete. Es sind die letzten gemeinsamen Jahre, die Furuya hier präsentierte und die eine bedrückende Parallelität von außen und innen, von der gesellschaftlichen Enge der letzten DDR-Jahre und der psychischen Ausweglosigkeit von Christine suggerieren.
Wir haben die Ausstellung besucht und mit dem Künstler gesprochen.
Kamera und Schnitt: Johannes Girke
Fotos: Seiichi Furuya. Mit herzlichem Dank an den Fotografen und Thomas Fischer für die Genehmigung der Verwendung der Fotografien in diesem Beitrag






