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Rezension: "Das braune Erbe. Der Antifaschismus in der DDR" (Berlin)

Autor

Haedrich

Datum

25.01.2012

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Wie gingen die Generationen unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs mit dem nationalsozialistischen Erbe um? Gab es Unterschiede im Umgang mit ehemaligen NSDAP-Mitgliedern und -Funktionären zwischen den beiden neuen deutschen Staaten? Gab es überhaupt ein Bekenntnis zur Schuld? Diesen Fragen widmet sich der Film "Das braune Erbe. Der Antifaschismus in der DDR" der Autoren Tom Franke und Andreas K. Richter. Zu Wort kommen in "Das braune Erbe" Historiker wie Christian Dirks oder Silke Satjukow, Zeitzeugen wie Egon Bahr (Politiker), Kurt Julius Goldstein ( KZ-Überlebender) oder Günter Bohnsack (ehemaliger MfS-Offizier) sowie zahlreiche Schriftsteller, die sich zur Thematik bereits einen Namen gemacht haben, darunter Hermann Kant, Olaf Kappelt und Erich Loest.
 
"Das braune Erbe" ist eine von zwei Dokumentationen, die auf der DVD "Antifaschismus in der DDR" enthalten sind. Während "Das Braune Erbe" den Prozess der Entnazifizierung in Ost und West und die jeweiligen Umgangsweisen beider Staaten beleuchtet, schildert die zweite Dokumentation mit dem Titel "Die nationale Front - Neonazis in der DDR" die Herausbildung neonazistischer Subkulturen in der DDR der 1980er Jahre.
 
1945 liegt fast ganz Europa in Schutt und Asche und die Menschen in Deutschland beginnen zu realisieren, dass der "Endsieg" schon lange nicht mehr als eine Illusion gewesen ist. Die Notwendigkeit des Antifaschismus leuchtete sehr Vielen ein. Sie waren bereit, ein neues und demokratisches Deutschland aufzubauen. Dabei entstand  ein Konflikt zwischen politischem Entnazifizierungsprinzip und wirtschaftlichen Interessen.
 
Als in Westdeutschland Anfang der 1950er Jahre das Wirtschaftswunder begann, fanden viele NS-Belastete neue Aufgaben in Politik, Militär oder Verwaltung und machten Karriere. In vielen Fällen mit hohen moralisch-politischen Folgekosten.
 
Anders  ging es in der neugegründeten DDR zu. Der Antifaschismus wurde zur Staatsdoktrin erklärt und plötzlich waren alle Nazis wie von Zauberhand verschwunden. Zumindest offiziell. Sie seien alle in den Westen geflohen und sowieso hätte kein Faschist Interesse daran, in der DDR zu bleiben, ließ die Parteiführung erklären. In welchem Ausmaß nationalsozialistische Funktionäre im SED-Staat aufsteigen konnten, ahnte wohl niemand. So befanden sich sogar im Jahr 1965 noch 53 Alt-Nazis als Abgeordnete in der Volkskammer. Erst durch die Veröffentlichung des "Braunbuchs DDR" im Jahr 1981 fand das Thema Zugang zu einem breiteren Publikum. Doch während Hinweise auf Nazis im eigenen Apparat ignoriert wurden, wurde zur Verfolgung und Aufklärung von Nazi- und Kriegsverbrechern in der Bundesrepublik eine Extraabteilung geschaffen. Die Instrumentalisierung des Antifaschismus in der DDR nahm nun im Laufe der Zeit immer perfidere Züge an. So wurden im Namen des Antifaschismus erhobene Daten zum Aufspüren von Kriegsverbrechern bald benutzt, um die gesamte Gesellschaft zu durchleuchten und mit Hilfe des menschenverachtenden Stasi-Apparats die Bürger unter Kontrolle zu halten.
 
Dieser ritualisierte und von oben verordnete Antifaschismus war einer der Beweggründe dafür, dass Jugendliche begannen, ihre eigenen Subkulturen zu bilden und sich abzuwenden vom linientreuen Musterleben im Sinne des Zentralkomitees. Einige rutschten jedoch weiter ab in extremistische Umfelder, was Thema der zweiten Dokumentation auf der DVD "Antifaschismus in der DDR"  ist.
 
Fazit: "Das Braune Erbe" schildert anhand von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und vielen Interviews, wie die Siegermächte und vor allem die Sowjetunion versuchten, ihre Besatzungszonen für den Kommunismus zu bekehren. Mich hat die Dokumentation beeindruckt, da mir der Umgang mit Alt-Nazis seitens der SED in seiner Tragweite nicht bekannt war. Damit wird dem SED-Regime seine Legitimationsbasis entzogen und es zeigt einmal mehr, wie skrupellos der Antifaschismus und der gute Wille Vieler zum Machterhalt missbraucht wurden! Eine Heuchelei, die ihresgleichen sucht.
 
Text: Christopher Hädrich, 19 Jahre. Der Autor absolviert zur Zeit ein Freiwilliges Soziales Jahr im Arbeitsbereich "Schulische Bildungsarbeit" bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
 
Foto: Antifaschistisches Denkmal im Treptower Park in Berlin, erbaut: 1946-1949 (Flickr/ LHOON)
 
Kurzinfo: Der Dokumentarfilm "Das braune Erbe" ist Teil der DVD "Antifaschismus in der DDR". Der Film ist eine Gemeinschaftsproduktion von armadafilm und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg, gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur 2006 und 2007.

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