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Dossier: Frauen in Haft

Interview: "Die Frauen von Workuta" - Teil 3

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02.05.2012

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Gerda Janson war 26 Jahre alt, verheiratet und Mutter eines Kleinkindes, als sie 1950 verhaftet wurde. Bis dahin hatte die DDR-Bürgerin schon einige Schicksalsschläge hinnehmen müssen. So musste sie ihre Ausbildung zur Erzieherin unter den neuen Machthabern abbrechen, weil man ihr zu große Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut unterstellte. Auch Jansons Vater und Ehemann wurden Opfer des misstrauischen Klimas, das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem im Osten Deutschlands herrschte. Jansons Vater wurde noch 1945 wegen seiner Beteiligung am Volkssturm festgenommen, ihr Ehemann vier Jahre später ebenfalls inhaftiert
 
Gerda Jansons Haltung gegenüber der sowjetischen Besatzungsmacht und der von ihr installierten SED-Regierung verhärtete sich. "Meine Antipathie wurde immer größer" so Janson im Video-Interview. Bei ihrer Verhaftung warf man ihr vor, sie wäre Spionin und würde antisowjetische Hetze und Agitation betreiben. Man verurteilte sie zu 25 Jahren Zwangsarbeit.
 
Über verschiedene Haftstationen kam Gerda Janson ins nordrussische Arbeitslager Workuta. Zuerst verweigerte sie die Arbeit, begriff dann aber sehr schnell, dass sie arbeiten musste, wenn sie die Gefangenschaft überleben wollte. Der Tod des sowjetischen Diktators Stalin im Jahre 1953 weckte in Janson die Hoffnung auf Verbesserung, sogar auf Freilassung. Dies aber erfüllte sich nicht. Erst nach dem Moskau-Besuch des westdeutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer im Jahre 1955 wurden die deutschen Gulag-Gefangenen entlassen. Auch Janson durfte zu ihrer Familie in die DDR zurückkehren. Im Interview schildert sie die bewegende Begegnung mit ihrem mittlerweile 8-jährigen Sohn. Schon kurz nach ihrer Rückkehr in die DDR kam es erneut zu Konfrontationen mit dem repressiven politischen System. Nach der Entlassung ihres Ehemannes verließ Janson die DDR mit ihrer Familie und setzte sich in den Westen ab.
 
 
Timeline - Das Interview im Überblick:
 
00:00 bis 00:47: Nachkriegszeit. Janson darf ihre Ausbildung zur Erzieherin nicht beenden.
00:48 bis 02:07: August 1945. Verhaftung des Vaters. Janson spürt ihren Vater im Gefängnis Sachsenhausen auf und verschickt Briefe von Mitgefangenen ihres Vaters an deren Angehörige.
02:09 bis 02:29: 1949 Verhaftung des Ehemannes.
02:30 bis 03:40: 1950 Verhaftung Gerda Jansons. Erste Haftanstalt: Berlin-Hohenschönhausen. Anklagepunkte: Spionage, Agitation und antisowjetische Hetze. Urteil: 25 Jahre Zwangsarbeit.
03:41 bis 05:29: Transport nach Workuta. Erste Eindrücke.
05:30 bis 08:44: Janson beschreibt die Zeit in Workuta, die schwierigen Arbeits- und Lebensbedingungen.
08:45 bis 09:08: Stalins Tod weckt Hoffnung auf Freiheit.
09:09 bis 11:05: Janson bekommt erstmals Post von der Familie mit Bildern vom Sohn. Erfährt dadurch auch, dass der Sohn bei der Mutter untergebracht wurde.
11:06 bis 12:23: Janson gelingt es, Post an die Familie zu schicken.
12:24 bis 13:45: Amnestierung der deutschen Gefangenen im Lager.
13:46 bis 16:12: Transport zurück in die DDR. Die Gulag-Heimkehrer werden bei ihrer Ankunft am Bahnhof wie Schwerverbrecher behandelt.
16:13 bis 17:48: Zurück nach Hause. Der Sohn akzeptiert sie, trotz der langen Trennung.
17:49 bis 19:05: Erneute Konfrontation mit dem System. Entlassung des Ehemannes und Flucht in den Westen.
Gesamtlänge: 19:05 min.
 
 
Hinweis:
 
Das Interview mit Gerda Janson ist Teil der Interviewreihe "Die Frauen von Workuta". Die Reihe ist ein Projekt der Berliner Heimatfilm GbRin Kooperation mit dem Onlineportal DeineGeschichte, gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Wir bedanken uns herzlich bei den Interviewpartnerinnen.
 
Hier findest du die anderen Teile der Interviewreihe:
1. Interview mit der Zeitzeugin Anita Wille
2. Interview mit der Zeitzeugin Edith Fadtke
4. Interview mit der Zeitzeugin Herta Lahne.
5. Interview mit der Zeitzeugin Irmgard Nitz.
 
Interviews / Kamera / Schnitt: Heimatfilm GbR
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