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Dossier: Stasi

Buchtipp: "Stasi-Kinder": Aufwachsen im Überwachungsstaat"

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16.07.2012

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"Dabei hätte Stefan (Name von der Autorin geändert) durchaus noch die ein oder andere Frage. Warum er zum Beispiel fast immer als Letzter übrig bleibt, wenn vom Bahnhofsvorplatz die Busse in die Ferienlager starten, voller fröhlich durcheinanderquatschender Mädchen und Jungen in seinem Alter. Ganz elend ist ihm jedes Mal, wenn die Listen vorgelesen werden, und wieder ist sein Name nicht dabei. Dann reden Mutter oder Vater mit diesem und jenem, manchmal geht ein Papier hin und her, und irgendwann darf Stefan dann schließlich in einen der Busse einsteigen. Als Letzter. 'Da hattest du gleich das Schild auf der Stirn: Mit dem stimmt was nicht.' Niemand erklärt ihm, dass er als 'Mitarbeiter-Kind' gewissermaßen inkognito fährt und darum nicht auf den Listen der Betriebe steht." (Hoffmann, Ruth: Stasi-Kinder: Aufwachsen im Überwachungsstaat, S. 28).


Das Buch Stasi-Kinder: Aufwachsen im Überwachungsstaat der Journalistin Ruth Hoffmann liest sich trotz des ernsten Themas überraschend einfach. Durch die persönliche Perspektive der Kinder auf ihren familiären Alltag und ihr Umfeld wird der Leser wie in einem Roman gefesselt, obwohl es hauptsächlich informiert.

Das Buch, das am 9. März 2012 bei Propyläen erschienen ist, beleuchtet das Leben in der DDR aus einer neuartigen Perspektive: Es erzählt aus dem Alltag von 13 Kindern, deren Eltern oder zumindest ein Elternteil – meist die Väter – als hauptamtliche Mitarbeiter beim Ministerium für Staatssicherheit angestellt waren. Nicht selten war dieses Leben gezeichnet von Angst, Gehorsam und Folgsamkeit, um den staatskonformen Idealen der Eltern zu entsprechen. Zum Teil versuchten die Eltern ihre Ideale durch Schläge oder andere Methoden in ihre Kinder "einzupflanzen", was zum vollständigen Bruch der Kinder mit den Eltern führen konnte. Aber das Buch zeigt anhand der unterschiedlichen Lebensverläufe auch, wie verschieden die "Stasi-Kinder" aufwuchsen und ihr Leben und ihre Umgebung wahrnahmen. Ruth Hoffmann zeigt, dass es kein einheitliches Stasi-Alltagsleben gegeben hat.

Auf der Grundlage von Interviews, die die Autorin und Journalistin mit den heutigen Erwachsenen geführt hat, beschreibt Ruth Hoffmann das damalige Leben der "Stasi-Kinder" in der DDR und sie erzählt, wie diese Vergangenheit das gegenwärtige Leben der Männer und Frauen heute noch immer beeinflusst. Die Stasi diktierte, ob aus dem Sohn etwas wurde oder nicht. Auch war es diesen Kindern nicht selbst überlassen, in wen sie sich verliebten: Bei Allem und Jedem war die "Linientreue" zur Parteipolitik existenziell entscheidend.


In 13 Kapiteln werden die unterschiedlichen Geschichten erzählt, die im Mittelpunkt des Buches stehen. Die persönlichen Geschichten der Kinder werden durch eingefügte "Exkurse" über die Lebenswelt der Eltern ergänzt. In separaten Kapiteln liefert die Autorin Hintergrundinformationen über die Rekrutierungskriterien und die Privilegien der hauptamtlichen Mitarbeiter – aber auch die Ziele, die Struktur und die Überwachungs-Methoden der Stasi, unter denen sich auch die hauptamtlichen Mitarbeiter befanden. 
 
 
Montagsradio hat ein Interview mit der Autorin, Ruth Hoffmann, zu Ihrem Buch geführt: "Absolute Linientreue? Das Leben in der Stasi-Familie".
 
 
Titel: Stasi-Kinder: Aufwachsen im Überwachungsstaat
Autorin: Ruth Hoffmann
Verlag: Propyläen Verlag (9. März 2012)
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Preis: 19.99€
 

 
Cover "Stasi-Kinder: Aufwachsen im Überwachungsstaat" ©Propyläen Verlag 
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