Deutsch-Deutsche Geschichte in Bildung und Schule
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"Opas Schulbuchunterricht ist tot!" (Berlin)

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Redaktion

Datum

15.08.2012

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Rom wurde 753 vor Christus gegründet. Der 30jährige Krieg begann 1618 und endete 1648. Geschichte ist für viele Jugendliche und auch Erwachsene graues Auswendiglernen. Das Online-Bildungsportal DeineGeschichte.de geht seit 2008 neue Wege: Hier werden Geschichtsvermittlung und Stärkung von Medienkompetenz zusammengedacht. Dafür wurde das Projekt in diesem Jahr von der Initiative "Land der Ideen" als "Bildungsidee" ausgezeichnet.

Aus Anlass der Preisverleihung veranstaltete DeineGeschichte am 9. August 2012 ein SpeedLab - eine Art Minikonferenz, bestehend aus Inputvortrag, vier kurzen Workshops (LernLabs) und Podiumsdiskussion. Auf dem SpeedLab wurde diskutiert, wie historisches Lernen attraktiv und zeitgemäß gestaltet werden kann. Hier geben wir euch einen kurzen Bericht über das SpeedLab. Eine ausführlichere Fassung der in den LernLabs diskutierten Themen kannst du hier einsehen. Weitere Berichte über DeineGeschichte, die Preisverleihung und das SpeedLab findest du beim Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und bei TV Berlin.

 

Geschichte lernen: Geschichte sollte mich betreffen

Im Inputvortrag des Geschichtsdidaktikers Christoph Kühberger (PH Salzburg) wird schnell klar:  Die Gesellschaft ist aus den bestehenden Lehr- und Lernmethoden hinausgewachsen. Viele Deutsche haben einen Migrationshintergrund und sehen die traditionell an den Schulen gelehrte Geschichte nicht als die ihre an. Dazu kommt, dass sich die Kommunikation in den letzten Jahren stark digitalisiert hat. Kühberger zitierte den Historiker Bodo von Borries: "Opas Schulbuchunterricht ist tot!"

Wir geben Geschichtswissen weiter, damit andere von ihm lernen können. Man sollte sich allerdings klarmachen, dass dieses Wissen mit der Zeit weniger relevant werden kann. Im 19. Jahrhundert waren die Land- und Sozialreformen der antiken Gracchen noch ein Thema, heutzutage tauchen sie in kaum einem Schulbuch mehr auf. Der Geschichtsprofessor zeigt auf die Worte auf der Leinwand: "Geschichte sollte mich betreffen, um nicht zu enzyklopädischem Wissen zu erstarren."
 
 
Geschichte spielen und begehen: Jeder hat seine eigene Geschichte

In Gruppen besuchen die Teilnehmer des SpeedLabs nacheinander vier LernLabs. Im ersten stellt die Historikerin Angela Schwarz (Universität Siegen) ihr Buch über Geschichte in Computerspielen vor: "Wollten Sie auch immer schon einmal pestverseuchte Kühe auf Ihre Gegner werfen?"
Schwarz‘ Traum ist es, ein unterhaltsames Game mit Geschichtsvermittlung zu entwerfen. Normalerweise wird kein Historiker hinzugezogen, wenn Spiele mit historischem Hintergrund konzipiert werden. Das sei ein Fehler, denn "Spiele sind wahrgenommene Geschichte!"
(Mehr zum LernLab "Geschichte spielen" erfährst du hier.)
 
Der Pädagoge Heiko Klare (Geschichtsort Villa ten Hompel) und der Künstler Achim Konejung (Konejung-Stiftung Kultur) finden, Geschichte ist überall. Dafür muss nicht überall ein Schild angebracht werden, "nur weil dort einmal ein Trabbi stand." An jedem real begehbaren Ort überlagern sich zudem mehrere Schichten von Geschichte. Jeder Mensch habe seine eigenen Geschichten und daher auch eigene Erinnerungsorte. Man müsse sich nur zur Auseinandersetzung zwingen und das sei in Auschwitz leichter als direkt vor der Haustür. Zugleich müsse man sich bewusst machen, dass Gedenkstätten inszeniert seien.
(Mehr zum LernLab "Geschichte begehen" erfährst du hier.)
 
 
Geschichte erzählen und entwickeln:

Das nächste LernLab wird von zwei Frauen geführt: Kathrin Große (Anne Frank Zentrum Berlin) arbeitet als Referentin im Projekt "Kriegskinder - Lebenswege bis heute", Dorothee Wein (Freie Universität Berlin) konzipiert Schulprojekte für das Shoah Foundation Institute. "Zeitzeugen sterben aus oder passen ihre Geschichten mit der Zeit an. Wie kann man da Geschichte noch wahr übermitteln?", fragt ein Teilnehmer. Man müsse sich und anderen bewusst machen, dass Geschichte immer subjektiv sei. Man dürfe es nicht für die Wahrheit annehmen, sondern als Wahrnehmung des Zeitzeugen."
(Mehr zum LernLab "Geschichte erzählen" erfährst du hier.)
 
Birgit Marzinka (lernen-aus-der-geschichte.de) bestreitet das vierte LernLab und kennt sich mit den Tücken der Finanzierung von historisch-politischer Bildung aus. "Es ist wahrscheinlicher, dass ein Förderungsantrag abgelehnt als angenommen wird", sagt sie. Dazu komme, dass die Anträge viel Zeit beanspruchen, was vor allem bei Ehrenamtlichen problematisch ist. Spenden bei Bildungsthemen seien immer schwierig: "Es fehlt das Bild des hungernden Kindes. Da sind Menschen selten betroffen." Ein Teilnehmer schließt die Runde mit den Worten: "Sie haben ein düsteres Bild gezeichnet." DeineGeschichte kann dem nur zustimmen. 2012 läuft die Förderung für das Portal aus, weswegen die Zukunft des Projekts ungewiss ist.
(Mehr zum LernLab "Geschichte entwickeln" erfährst du hier.)
 
 
Text: Johanna Kindermann, Kooperative Berlin.
 
Foto:  Inputreferent Christoph Kühberger (Quelle: Deutschland – Land der Ideen / Bernd Brundert).

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