Deutsch-Deutsche Geschichte in Bildung und Schule
Bild zu Rostock brennt!
Dossier: Rechtsextremismus

Rostock brennt!

Autor

Redaktion

Datum

22.08.2012

Bewertung

* * *

Kommentare

0

Kategorien

Mediathek
Debatten
Aktuelles
Staat & Gesellschaft

Kontakt

info@deinegeschichte.de

Drucken

Diese Seite drucken

Zwischen dem 22. und 26. August 1992 kommt es im Rostocker Stadtviertel Lichtenhagen zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen Asylbewerber und vietnamesische Gastarbeiter. Vier Tage gehen in die Geschichte Deutschlands ein – gezeichnet von pogromähnlichen, ausländerfeindlichen Krawallen.
 
Die zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber des Landes Mecklenburg-Vorpommern hat ihren Sitz Anfang der 1990er Jahre im sogenannten "Sonnenblumenhaus": ein mit sonnenblumenförmigen Ornamenten geschmückter Plattenbau in der Mecklenburger Allee 18, der zum Angriffspunkt für einen Mob aus gewaltbereiten Menschen wird. Getrieben sind sie von Fremdenhass, Verachtung und Wut. Mehr als 120 Flüchtlinge befinden sich Ende August 1992 im Hochhaus und auf der Wiese davor, als die mehrtägigen Anschläge ihren Lauf nehmen. In der Nacht zum 23. August attackiert eine zunächst kleinere Gruppe den Plattenbau, mit Steinen bewaffnet und Hetzparolen schreiend. Die Zahl der Beteiligten, darunter auch Neonazis, steigt in kurzer Zeit auf über 2000. Sie verursachen Brände und bringen etliche Menschen in Lebensgefahr. Schaulustige Nachbarn beobachten das Geschehen und heizen die Randalierer weiter an.
 
Die Polizei ist in diesen Tagen hoffnungslos überfordert und versagt in all ihren Aufgaben als Sicherheitsbehörde. Am 24. August erfolgt zwar die längst überfällige Evakuation des Asylbewerberheims, doch ziehen sich die Polizisten daraufhin zurück und überlassen somit den Gewalttätern das Feld. Die Situation eskaliert erneut. Das benachbarte Wohnheim für vietnamesische DDR-Gastarbeiter rückt jetzt ebenfalls in den Fokus der Meute, bald brennt es auch hier. Dort eingeschlossen sind auch ein Fernsehteam des ZDF und der Ausländerbeauftragte der Stadt Rostock, Wolfgang Richter. Für die Feuerwehr gibt es kein Durchkommen mehr. Die Bewohner können sich auf das Dach des Hauses retten. In der Nacht vom 25. auf den 26. August bekommt die Polizei die Situation schließlich unter Kontrolle. Es gibt keine Toten.
 
"Als Rostock-Lichtenhagen brannte" lautet der Titel eines aktuellen Dokumentarfilms des NDR, in dem zumindest der Versuch einer detaillierten Aufarbeitung der Geschehnisse unternommen wird. Dabei wird vor allem herausgestellt, dass die Anzeichen für die Wut und den Ausländerhass in Rostock-Lichtenhagen längst hätten erkannt werden müssen. Die Anschläge hätten verhindert werden können.
 
Zwanzig Jahre nach den Ereignissen ist die politische Brisanz rund um das Thema "alltäglicher Rassismus" und wie er verhindert werden kann deutlich spürbar. Joachim Gauck hat einen Besuch in seiner Heimatstadt Rostock angekündigt und ruft zum Erinnern an die furchtbaren Angriffe auf.
 
In Rostock finden in Erinnerung an die schrecklichen Krawalle diese Woche übrigens zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt. Die Termine sind auf der Internetseite der Hansestadt einzusehen.
 
 
Zum Weiterlesen:
(1) Spiegel-online-Artikel mit Fotostrecke von Julia Jüttner
(2) Eine umfassende Schilderung in der taz von Barbara Bollwahn
(3) Die Uni Rostock hat mit der Unterstützung der Amadeu Antonio Stiftung eine Studie über die Ereignisse in Rostock-Lichtenhagen herausgegeben. Die dazugehörige Broschüre gibt es hier.
(4) Mehr zum Thema bietet unser Dossier "Rechtsextremismus - gestern & heute".
 
 
Text: Ines Schneider, Kooperative Berlin.
 
Foto:  Das "Sonnenblumenhaus" in Rostock-Lichtenhagen - Ort der Anschläge im August 1992 (Wikimedia Commons / mc005).


Deine Bewertung

(höher = besser)
Zurück zur Übersicht
Aktuelles Welt Online: Das Jahr 2010 – Davon träumten DDR-Teenager 1985

Welt Online: Das Jahr 2010 – Davon träumten DDR-Teenager 1985

Text | Neuer Film: Heute war damals Zukunft

Aktuelles Zeit Online: Die vergessenen Gestalter

Zeit Online: Die vergessenen Gestalter

Text | DDR-DESIGN

Mediathek Presseschau:

Presseschau: "Wer anderen eine Grube gräbt…

Text | Griechenland plant Grube gegen Migranten