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Klare Faktenlage (Dresden)
Autor
Datum
25.11.2008
Kategorien
Familie, Jugend & Schule
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Was unterscheidet Wessis wirklich von Ossis?
Schluss mit subjektiven Eindrücken,
hier sind die bloßen Fakten
Text: Anne Hähnig, Martin Machowecz, Antonie Rietzschel
Quelle: www.spiesser.de
Verschieden zufrieden
Die Lebenszufriedenheit der Ossis und Wessis nähert sich laut einer Statistik von "Perspektive Deutschland" immer mehr an. Lange Zeit war es so, dass Westdeutsche mit dem Leben an ihrem Wohnort viel zufriedener waren als die Bürger aus dem Osten. Rein faktisch ist das auch heute noch so: 52 Prozent der Ossis fühlen sich zufrieden, bei den Wessis sind es 20 Prozent mehr. Allerdings täuschen diese Zahlen etwas: Im Westen sank die Quote der Zufriedenen von 2003 bis 2005 um 4 Prozent, im Osten stieg sie um neun Prozent.
Unterschiede? Unterschiedlich!
Ob östlich oder westlich der ehemaligen Mauer - was wir in der Freizeit machen und welche Musik wir hören, unterscheidet Ossis und Wessis kaum, wie das Institut für Demoskopie Allensbach herausfand. Es sind nicht die Dinge des Alltags, die uns trennen. So jedenfalls denken die meisten Deutschen, befragt nach den tatsächlichen Unterschieden zwischen Ost und West. Diese würden vielmehr in der Mentalität oder dem Verhältnis zu den Nachbarn liegen. Außerdem sei die Wortwahl verschieden, sagen Ossis wie Wessis.
Überzeugter Ossi
Seit über 16 Jahren ist Deutschland wieder vereint. Doch hinterlassen 40 Jahre Teilung auch heute noch ihre Spuren? 26 Prozent der Wessis fühlen sich mehr als Westdeutsche, denn als Gesamtdeutsche. Unter den Ossis sind es 49 Prozent, die sich eher als Ostdeutsche identifizieren. Allerdings schwächt sich das „ ostdeutsche Identitätsgefühl“ zunehmend ab. 1997 lag diese Zahl noch bei 67 Prozent. Außerdem: 43 Prozent der Ossis glauben, dass Unterschiede Ost- und Westdeutsche eher dominieren als Gemeinsamkeiten. 2002 lag diese Zahl bei 58 Prozent.
TV Movie gegen RTV - was liest du?
Die jungen Deutschen - egal ob aus Ost oder West - lesen laut einer Studie zur Mediennutzung gern Lifestylemagazine und wöchentliche Frauenzeitschriften. Allerdings interessieren sich die Westdeutschen mehr für den politischen Journalismus und lesen häufiger Magazine wie Spiegel oder Stern. Bei Fernsehzeitschriften gucken die Ostdeutschen mehr aufs Geld: Sie lesen im Gegensatz zu den Wessis lieber kostenlose Beigaben anstatt Programmzeitschriften, die mehr als 1,40 Euro kosten.
Berlin - vereint, geteilt? Verteilt in Jung und Alt
Sind Probleme zwischen Ost und West eine Frage der Generationen? Laut einer Emnid-Umfrage halten 48 Prozent der Berliner unter 29 Jahre die Einheit der einst geteilten Stadt für verwirklicht. Unter den 30- bis 49-Jährigen sind es 10 Prozent weniger, von den noch Älteren empfinden 33 Prozent die Stadt für vereint. Der Wille zur vollkommenen Wiedervereinigung im Geiste ist vorhanden: Die Mehrheit, nämlich 54 Prozent der Berliner meinen, sie würden nicht mehr zwischen Ost und West unterscheiden.
Politikverdruss oder Verdrusspolitik?
27 Prozent der jungen Ossis und 36 Prozent der jungen Wessis halten sich für politisch interessiert. Das sind jeweils circa 20 Prozent weniger als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Doch Jugendliche sind noch nicht immer so. 1991 war über die Mehrheit der Unter-30-Jährigen neugierig auf Politik: Im Westen waren es 51 Prozent, im Osten lag die Zahl bei 59 Prozent und hat sich demzufolge bis heute nahezu halbiert.
Pilawa gegen Geißen - was guckst du?
Im Osten haben 55 Prozent der Kinder einen eigenen Fernseher, im Westen sind es 28 Prozent. Zudem gewinnt in den neuen Bundesländern Peter Klöppel gegen Jan Hofer und Oli Geißen gegen Jörg Pilawa: Die privaten Sender werden hier mehr geguckt als im Westen. Von den Deutschen unter 30 Jahren gucken 45 Prozent der jungen Wessis und 55 Prozent der Ossis mindestens drei Stunden fern pro Werktag.
Befreit?
Wir können reisen, wohin wir wollen und wir können wählen, wen wir wollen. Diese Rechte gab es in der DDR nicht. Heute fühlen sich 46 Prozent der Ossis im deutschen Staat und mit der deutschen Politik frei. Unter den Wessis sind es 30 Prozent mehr.
Freiheit bedeutet für die Bürger in ganz Deutschland zu allererst, seine Meinung äußern zu können. Darin sehen sich 60 Prozent der Ostdeutschen und 75 Prozent der Westdeutschen in Deutschland als ungehindert. An zweiter Stelle folgen die Reisefreiheit und die freie Berufswahl.
Kapitale Fehler
Von den 500 größten Unternehmen der Bundesrepublik sitzen 478 in Westdeutschland und 22 in den neuen Ländern. Davon wiederum sind 14 in Berlin angesiedelt. Heißt: acht anderswo im Osten. Das spiegelt sich in der Zahl der Erwerbslosen wider: Die Arbeitslosenquote ist im Osten mit 15,7 Prozent fast doppelt so hoch wie die im Westen mit acht Prozent. 37 Prozent der Ossis schätzen ihre eigene wirtschaftliche Lage als gut bis sehr gut ein. Im Westen sind es vier Prozent mehr.
Extreme Wähler
Bei der Bundestagswahl 2005 wählten 2,2 Prozent der Deutschen rechtsextreme Parteien, davon im Osten vier Prozent und im Westen 1,7 Prozent. Speziell die NPD erhielt 1,6 Prozent der Zweitstimmen, 1,1 Prozent der NPD-Wähler kamen aus dem Westen und 3,6 Prozent aus dem Osten. Die besten Wahlergebnisse auf Landesebene erzielte die Partei in Sachsen mit 4,8 Prozent, das schlechteste Ergebnis gab es mit 0,8 Prozent in Nordrhein-Westfalen.
Quellen:
Institut für Demoskopie Allensbach: 15 Jahre nach dem Fall der Mauer - Die Entwicklung der Zeitschriftennutzung in den neuen Ländern
Institut für Demoskopie Allensbach: Der Wert der Freiheit
Perspektive Deutschland
Die Zeit (Nr. 39 vom 18.09.2003): Medienverwahrlosung als Ursache von Schulversagen; Christian Pfeiffer
Verfassungsschutzbericht 2005
Rechtsextremismus-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung
Schluss mit subjektiven Eindrücken,
hier sind die bloßen Fakten
Text: Anne Hähnig, Martin Machowecz, Antonie Rietzschel
Quelle: www.spiesser.de
Verschieden zufrieden
Die Lebenszufriedenheit der Ossis und Wessis nähert sich laut einer Statistik von "Perspektive Deutschland" immer mehr an. Lange Zeit war es so, dass Westdeutsche mit dem Leben an ihrem Wohnort viel zufriedener waren als die Bürger aus dem Osten. Rein faktisch ist das auch heute noch so: 52 Prozent der Ossis fühlen sich zufrieden, bei den Wessis sind es 20 Prozent mehr. Allerdings täuschen diese Zahlen etwas: Im Westen sank die Quote der Zufriedenen von 2003 bis 2005 um 4 Prozent, im Osten stieg sie um neun Prozent.
Unterschiede? Unterschiedlich!
Ob östlich oder westlich der ehemaligen Mauer - was wir in der Freizeit machen und welche Musik wir hören, unterscheidet Ossis und Wessis kaum, wie das Institut für Demoskopie Allensbach herausfand. Es sind nicht die Dinge des Alltags, die uns trennen. So jedenfalls denken die meisten Deutschen, befragt nach den tatsächlichen Unterschieden zwischen Ost und West. Diese würden vielmehr in der Mentalität oder dem Verhältnis zu den Nachbarn liegen. Außerdem sei die Wortwahl verschieden, sagen Ossis wie Wessis.
Überzeugter Ossi
Seit über 16 Jahren ist Deutschland wieder vereint. Doch hinterlassen 40 Jahre Teilung auch heute noch ihre Spuren? 26 Prozent der Wessis fühlen sich mehr als Westdeutsche, denn als Gesamtdeutsche. Unter den Ossis sind es 49 Prozent, die sich eher als Ostdeutsche identifizieren. Allerdings schwächt sich das „ ostdeutsche Identitätsgefühl“ zunehmend ab. 1997 lag diese Zahl noch bei 67 Prozent. Außerdem: 43 Prozent der Ossis glauben, dass Unterschiede Ost- und Westdeutsche eher dominieren als Gemeinsamkeiten. 2002 lag diese Zahl bei 58 Prozent.
TV Movie gegen RTV - was liest du?
Die jungen Deutschen - egal ob aus Ost oder West - lesen laut einer Studie zur Mediennutzung gern Lifestylemagazine und wöchentliche Frauenzeitschriften. Allerdings interessieren sich die Westdeutschen mehr für den politischen Journalismus und lesen häufiger Magazine wie Spiegel oder Stern. Bei Fernsehzeitschriften gucken die Ostdeutschen mehr aufs Geld: Sie lesen im Gegensatz zu den Wessis lieber kostenlose Beigaben anstatt Programmzeitschriften, die mehr als 1,40 Euro kosten.
Berlin - vereint, geteilt? Verteilt in Jung und Alt
Sind Probleme zwischen Ost und West eine Frage der Generationen? Laut einer Emnid-Umfrage halten 48 Prozent der Berliner unter 29 Jahre die Einheit der einst geteilten Stadt für verwirklicht. Unter den 30- bis 49-Jährigen sind es 10 Prozent weniger, von den noch Älteren empfinden 33 Prozent die Stadt für vereint. Der Wille zur vollkommenen Wiedervereinigung im Geiste ist vorhanden: Die Mehrheit, nämlich 54 Prozent der Berliner meinen, sie würden nicht mehr zwischen Ost und West unterscheiden.
Politikverdruss oder Verdrusspolitik?
27 Prozent der jungen Ossis und 36 Prozent der jungen Wessis halten sich für politisch interessiert. Das sind jeweils circa 20 Prozent weniger als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Doch Jugendliche sind noch nicht immer so. 1991 war über die Mehrheit der Unter-30-Jährigen neugierig auf Politik: Im Westen waren es 51 Prozent, im Osten lag die Zahl bei 59 Prozent und hat sich demzufolge bis heute nahezu halbiert.
Pilawa gegen Geißen - was guckst du?
Im Osten haben 55 Prozent der Kinder einen eigenen Fernseher, im Westen sind es 28 Prozent. Zudem gewinnt in den neuen Bundesländern Peter Klöppel gegen Jan Hofer und Oli Geißen gegen Jörg Pilawa: Die privaten Sender werden hier mehr geguckt als im Westen. Von den Deutschen unter 30 Jahren gucken 45 Prozent der jungen Wessis und 55 Prozent der Ossis mindestens drei Stunden fern pro Werktag.
Befreit?
Wir können reisen, wohin wir wollen und wir können wählen, wen wir wollen. Diese Rechte gab es in der DDR nicht. Heute fühlen sich 46 Prozent der Ossis im deutschen Staat und mit der deutschen Politik frei. Unter den Wessis sind es 30 Prozent mehr.
Freiheit bedeutet für die Bürger in ganz Deutschland zu allererst, seine Meinung äußern zu können. Darin sehen sich 60 Prozent der Ostdeutschen und 75 Prozent der Westdeutschen in Deutschland als ungehindert. An zweiter Stelle folgen die Reisefreiheit und die freie Berufswahl.
Kapitale Fehler
Von den 500 größten Unternehmen der Bundesrepublik sitzen 478 in Westdeutschland und 22 in den neuen Ländern. Davon wiederum sind 14 in Berlin angesiedelt. Heißt: acht anderswo im Osten. Das spiegelt sich in der Zahl der Erwerbslosen wider: Die Arbeitslosenquote ist im Osten mit 15,7 Prozent fast doppelt so hoch wie die im Westen mit acht Prozent. 37 Prozent der Ossis schätzen ihre eigene wirtschaftliche Lage als gut bis sehr gut ein. Im Westen sind es vier Prozent mehr.
Extreme Wähler
Bei der Bundestagswahl 2005 wählten 2,2 Prozent der Deutschen rechtsextreme Parteien, davon im Osten vier Prozent und im Westen 1,7 Prozent. Speziell die NPD erhielt 1,6 Prozent der Zweitstimmen, 1,1 Prozent der NPD-Wähler kamen aus dem Westen und 3,6 Prozent aus dem Osten. Die besten Wahlergebnisse auf Landesebene erzielte die Partei in Sachsen mit 4,8 Prozent, das schlechteste Ergebnis gab es mit 0,8 Prozent in Nordrhein-Westfalen.
Quellen:
Institut für Demoskopie Allensbach: 15 Jahre nach dem Fall der Mauer - Die Entwicklung der Zeitschriftennutzung in den neuen Ländern
Institut für Demoskopie Allensbach: Der Wert der Freiheit
Perspektive Deutschland
Die Zeit (Nr. 39 vom 18.09.2003): Medienverwahrlosung als Ursache von Schulversagen; Christian Pfeiffer
Verfassungsschutzbericht 2005
Rechtsextremismus-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung






