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"Pakete" - Post von West nach Ost
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27.08.2012
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Staat & Gesellschaft
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Luise Beyerlein, Jahrgang 1925, arbeitete als Lehrerin in Westdeutschland. Bereits 1949 nahm sie per Brief Kontakt zu einer Schulklasse in Ostdeutschland auf. In den Folgejahren stand sie - wie viele andere Westdeutsche aus - in regem Austausch mit mehreren ostdeutschen Familien. Die Briefe und Pakete waren vielen Menschen eine große Hilfe. Der DDR-Regierung waren sie dagegen ein Dorn im Auge...
Die folgenden Erinnerungen stammen aus Luise Beyerleins Publikation "Grenzerfahrungen". Reisen in den Ostblock zur Zeit des "Kalten Krieges". Wider das Vergessen!. Das 46-seitige Buch erschien 2009 bei VDS - Verlagsdruckerei Schmidt. Wir danken der Autorin herzlich für die Genehmigung zur Veröffentlichung des Auszugs "Pakete"!
"Als es uns in der Bundesrepublik nach der Währungsreform 1948 in den 50er Jahren langsam besser ging, konnten wir auch wieder an Freunde denken, die es nicht so gut hatten. Zum Beispiel in der DDR. Zunächst war das Verschicken von Paketen dorthin unproblematisch. An Organisationen wie auch an Schulklassen war es jedoch nicht erlaubt (siehe Artikel 'Briefwechsel'). Aber im Laufe der Jahre wurden immer wieder neue Bestimmungen erlassen.
Von bestimmten Gütern waren Höchstmengen zu beachten. Z.B. bei Kaffee, Kakao, Schokolade und Zigaretten. In jedem Paket hatte eine 'Inhaltsangabe' zu liegen, auf dem Paket hatte deutlich lesbar zu stehen 'Geschenkversendung keine Handelsware'. Schickten wir getragene Kleidungsstücke, so brauchten wir dafür eine Desinfektionsbescheinigung des Staatlichen Gesundheitsamte. Eines Tages wurde für die Empfänger die Zahl der Pakete pro Person, pro Jahr auf 12 begrenzt. Wir adressierten nun an die Familienangehörigen der Reihe nach durch!
Bei Diskussionen wurde die Frage gestellt, ob wir aus dem Westen durch unsere 'Hilfslieferungen' nicht im weitesten Sinne das Regime der DDR unterstützten. Schließlich wurden viele Lücken in der Mangelwirtschaft durch diese Pakete ausgeglichen, mindestens gemildert. Und wenn es so gewesen wäre, mir ging es immer um die Menschen, die sich durch die Armut des Alltags quälten.
Meine Freundin in Weimar hatte Freunde in der Schweiz und in Argentinien. Pakete von dort hätten sie viel Zoll gekostet. So schickten mir diese hilfsbereiten Jugendfreunde Bargeld, damit konnte ich besorgen, was gebraucht und gewünscht wurde. Zwischen der Bundesrepublik und der DDR gab es keine Zollgrenze. Wären es zwei getrennte Staaten gewesen (wie z.B. von der DDR gewünscht), wäre 'drüben' auch bei unseren Sendungen Zoll fällig gewesen."
Text: Luise Beyerlein. Der Text ist ein Auszug aus der Publikation "Grenzerfahrungen". Reisen in den Ostblock zur Zeit des "kalten Krieges". Wider das Vergessen!, erschienen 2009 bei VDS - Verlagsdruckerei Schmidt.
Foto: "Stadtgebiete (15)" (Flickr / Kolja Lücking)
Die folgenden Erinnerungen stammen aus Luise Beyerleins Publikation "Grenzerfahrungen". Reisen in den Ostblock zur Zeit des "Kalten Krieges". Wider das Vergessen!. Das 46-seitige Buch erschien 2009 bei VDS - Verlagsdruckerei Schmidt. Wir danken der Autorin herzlich für die Genehmigung zur Veröffentlichung des Auszugs "Pakete"!
"Als es uns in der Bundesrepublik nach der Währungsreform 1948 in den 50er Jahren langsam besser ging, konnten wir auch wieder an Freunde denken, die es nicht so gut hatten. Zum Beispiel in der DDR. Zunächst war das Verschicken von Paketen dorthin unproblematisch. An Organisationen wie auch an Schulklassen war es jedoch nicht erlaubt (siehe Artikel 'Briefwechsel'). Aber im Laufe der Jahre wurden immer wieder neue Bestimmungen erlassen.
Von bestimmten Gütern waren Höchstmengen zu beachten. Z.B. bei Kaffee, Kakao, Schokolade und Zigaretten. In jedem Paket hatte eine 'Inhaltsangabe' zu liegen, auf dem Paket hatte deutlich lesbar zu stehen 'Geschenkversendung keine Handelsware'. Schickten wir getragene Kleidungsstücke, so brauchten wir dafür eine Desinfektionsbescheinigung des Staatlichen Gesundheitsamte. Eines Tages wurde für die Empfänger die Zahl der Pakete pro Person, pro Jahr auf 12 begrenzt. Wir adressierten nun an die Familienangehörigen der Reihe nach durch!
Bei Diskussionen wurde die Frage gestellt, ob wir aus dem Westen durch unsere 'Hilfslieferungen' nicht im weitesten Sinne das Regime der DDR unterstützten. Schließlich wurden viele Lücken in der Mangelwirtschaft durch diese Pakete ausgeglichen, mindestens gemildert. Und wenn es so gewesen wäre, mir ging es immer um die Menschen, die sich durch die Armut des Alltags quälten.
Meine Freundin in Weimar hatte Freunde in der Schweiz und in Argentinien. Pakete von dort hätten sie viel Zoll gekostet. So schickten mir diese hilfsbereiten Jugendfreunde Bargeld, damit konnte ich besorgen, was gebraucht und gewünscht wurde. Zwischen der Bundesrepublik und der DDR gab es keine Zollgrenze. Wären es zwei getrennte Staaten gewesen (wie z.B. von der DDR gewünscht), wäre 'drüben' auch bei unseren Sendungen Zoll fällig gewesen."
Text: Luise Beyerlein. Der Text ist ein Auszug aus der Publikation "Grenzerfahrungen". Reisen in den Ostblock zur Zeit des "kalten Krieges". Wider das Vergessen!, erschienen 2009 bei VDS - Verlagsdruckerei Schmidt.
Foto: "Stadtgebiete (15)" (Flickr / Kolja Lücking)






