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wannseeForum: Journalistisches Schreiben (Berlin)
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21.09.2009
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Stasi & Spionage
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„Die Rolle der Staatssicherheit in der DDR“
Schöne Texte, entstanden im Workshop „Journalistisches Schreiben“
Zweimal Tee und Kuchen für die Leute der Stasi
von Tatjana Fincke
Es ist 2 Uhr morgens. Bei Jürgen Fuchs klingelt das Telefon. Als er endlich aus dem Bett aufgestanden ist und den Hörer abgehoben hat, hört er nur noch ein Atmen am anderen Ende der Leitung. Dann wird aufgelegt.
Um 6 Uhr 30 in der Früh klingelt es an der Wohnungstür. Ein Antiquitätenhändler steht davor, er wolle sich den Schrank ansehen, der zum Verkauf stünde. Aber Jürgen Fuchs hat keinen Schrank zu verkaufen.
Was sich wie ein schlechter Scherz anhört, hat Methode. Und einen Drahtzieher: Die Stasi.
Jürgen Fuchs war nicht das einzige Opfer dieser Methode, die die Stasi als „Zersetzung“ bezeichnete. Das Ministerium für Staatssicherheit, kurz MfS, wurde am 8. Februar 1950 gegründet. Bis zum Ende 1989 wuchs der Apparat der Stasi auf rund 91.000 Offizielle Mitarbeiter (OM) und 189.000 Inoffizielle Mitarbeiter (IM) beim MfS.
Ihre Hauptaufgabe bestand darin, die Herrschaft der SED zu sichern und alle bedrohlichen Kräfte zu zerschlagen.
Dies tat sie, indem sie von jedem verdächtigen Bürger ein genaues Persönlichkeitsprofil erstellte und dies wenn nötig zum “Wohle des Staates“ beeinflusste. Dabei genügte es bereits, einen schlechten Scherz auf Kosten der Regierung zu machen, um als oppositionell zu gelten.
Um jegliche Aktivitäten gegen die Regierung rechtzeitig erkennen und zerschlagen zu können, standen den Mitarbeitern der Stasi zahlreiche Überwachungsmethoden zur Verfügung. Direkte und indirekte Observationen, Post- und Telefonkontrolle sowie konspirative Wohnungsdurchsuchungen der "feindlichen Zielperson". Die direkte Beeinflussung der Bürger erfolgte mit härteren Methoden. Die häufigste und wirksamste war die Erpressung.
So wurde Jürgen Fuchs 1986 von der Schule verwiesen und durfte kein Abitur machen, weil der Schulleiter ihn als "politisch unzulässig" einstufte.
Anderen drohte man mit Berufsverbot – auch für die Angehörigen der Familie.
Der enorme Apparat von Spitzeln hatte auch Folgen für das soziale Zusammenleben. Die Atmosphäre zwischen den Bürgern war geprägt von ständigem Misstrauen. Jeder im Umfeld konnte ein IM sein, mitunter gezielt positioniert.
Peter Grimm, Redakteur der Zeitung „Horch und Guck“ und Oppositioneller berichtete von seinem neuen Nachbar, der kurz nach ihm das Haus bezog. Der Mann entpuppte sich später als Stasimitarbeiter, der auf ihn angesetzt war.
Im ähnlichen Zusammenhang war die Methode „Romeo“ sehr beliebt. Hier wurde ein IM auf einen oppositionellen Bürger angesetzt und ging auf Befehl der Stasi eine Partnerschaft ein. Manchmal heiratete er auch. Das wohl bekannteste Opfer dieser Methode ist Vera Wollenberger.
1991 erfuhr sie aus ihren Akten der Stasi, dass ihr Ehemann sie im Auftrag der Stasi vor über 20 Jahren geheiratet und bespitzelt hatte. Sie reichte die Scheidung ein und nahm ihren Mädchennamen Lengsfeld wieder an.
Zu Beginn der 80er Jahre steckte die DDR in einer großen finanziellen Krise, die sie mit ausländischen Geldern bewältigte. Damit stieg auch der internationalen Druck, von nun an humaner mit ihren Bürgern umzugehen.
Die Stasi ging weniger mit Inhaftierungen und öffentlichen Drohungen gegen Oppositionelle vor, sondern benutzte verstärkt die sogenannte Zersetzungsmethode.
Eine psychische, subtile Methode, die das MfS Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit wie folgt beschreibt: „Ziel ... ist die Zersplitterung, Lähmung, Desorganisierung und Isolierung feindlich-negativer Kräfte, um dadurch eine differenzierte politisch-ideologische Rückgewinnung zu ermöglichen.“
Wie im Fall von Jürgen Fuchs konnte das mit nächtlichen Anrufen und dem Verstellen von Gegenständen in der Wohnung passieren oder es wurden Pornos bestellt und zur Abholung beim Nachbarn abgegeben. Eine weitere Methode war das Streuen von Gerüchten im beruflichen und sozialen Umfeld, um die Oppositionellen zu "isolieren".
Bei Jürgen Fuchs ging die Stasi sogar noch einen Schritt weiter und lies unter seinem Auto ein Sprengsatz detonieren, um ihn einzuschüchtern.
Jürgen Fuchs bezeichnete die Zersetzungsmethode als "Auschwitz in den Seelen".
1999 starb er mit 48 Jahren an Leukämie.
Spätere Aktenuntersuchungen ergaben, dass die Stasi vorhatte, ihn systematisch mit Gammastrahlen zu vergiften. Dies tat sie, indem sie seine Arbeitsmittel dieser Strahlung aussetzte. An diesen Folgen starb er schließlich. Einer von vielen die gestorben sind, weil sie ihre Meinung vertreten haben.
Bei soviel Bedrohung durch die Stasi half oft nur noch Humor. So brachte Frau Malson* den 2 Stasimitarbeitern, die im Winter vor ihrem Haus im Auto saßen und sie observierten, Tee, damit sie nicht erfrieren und Kuchen, damit sie etwas zu essen hatten.
* Name von der Redaktion geändert
Die aus der Normannenstraße
von Ben Kotala
Als die Mauer fiel, hatte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR 91.015 hauptamtliche Mitarbeiter. Diese Mitarbeiter arbeiteten in unterschiedlichen Bereichen des Ministeriums, mit dem Ziel andere Bürger zu kontrollieren. Aber auch die Mitarbeiter selbst wurden kontrolliert. Ihr eigenes Ministerium misstraute nicht nur jedem im Land, auch jedem im eigenen Haus. So konnten zum Beispiel die Fenster der Büros des MfS in der Normannenstraße nicht geöffnet werden und enthielten matte Scheiben. Zur Lüftung gab es eine zweite Öffnung, welche aus feinen Lamellen bestand. Sie ließen sich aufdrehen, aber waren so fein, dass die Mitarbeiter nicht hinaussehen konnten. Auch die umliegenden Häuser gehörten dem Ministerium und dort wohnten die Mitarbeiter. So war sichergestellt, dass keine Fremden zu nah an das Ministerium kamen und die Mitarbeiter kaum Kontakt zur Bevölkerung hatten. Es war auch kein Zufall, dass jede beobachtete Person, aber auch die IMs Decknamen bekamen und keine Klarnamen in den Akten auftauchen. Dadurch war sichergestellt, dass kein Mitarbeiter diese Personen kannte und weitere Verwicklungen entstanden.
Doch die Mitarbeiter wurden nicht nur von innen argwöhnisch beäugt, sondern auch von außen. Sie wohnten meist zusammen in den besseren Häusern am Ort und waren dort auch bekannt. Daher blieben die Mitarbeiter der „StaSi“ - wie auch die Mitarbeiter der anderen Staatlichen Organe - unter sich und schotteten sich ab. Daraus resultierte ein starkes Gemeinschaftsgefühl, und entstand ein Ehrenkodex nach dem keiner die anderen belasten darf. Aus diesem Kodex heraus sprechen bis heute kaum hauptamtliche Mitarbeiter über die Arbeit des MfS.
Nach dem Mauerfall reorganisierten sich die Mitarbeiter schnell in Vereinen. In diesen Vereinen werden die Kontakte gepflegt und es treffen sich Gleichgesinnte. Zwei weitere Aufgaben haben sich die Vereine auf die Fahne geschrieben. Sie erstreiten die Sonderrenten für die ehemaligen Mitarbeiter und betreiben gezielt Geschichtspolitik.
Größter Vertreter dieser Vereine ist die „Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte ehemaliger Angehöriger bewaffneter Organe und der Zollverwaltung der DDR“ (ISOR). Nach eigenen Angeben hat der Verein 24.000 Mitglieder aus den so genannten "bewaffneten Organen" (Polizei, Militär, MfS, Zollverwaltung) der DDR. Hauptaufgabe von ISOR sind die Renten, insbesondere die Sonderrenten für ehemalige Mitarbeiter der "bewaffneten Staatsorgane", zu erstreiten. Nach der Wiedervereinigung wurden die Renten für die Mitarbeiter neu berechnet, und teilweise Sonderenten gestrichen. ISOR wirft der BRD vor, damit eine Politik der "Strafrente" zu betreiben. Gegen diese Berechnungen gehen sie gerichtlich vor, oft erfolgreich. Teilweise waren bei der Brechung dieser Renten Verfahrensfehler begangen worden. Diese Lücke nutzt der Verein aus.
Ein anderer Verein ist die "Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung" (GRH). Die Mitglieder setzen sich größtenteils aus den höheren Kadern der "bewaffneten Organe" zusammen. Hauptaufgabe des Vereins ist es, Mitglieder bei Gerichtsprozessen zu unterstützen. Ihr Hauptargument dabei ist, dass diese Personen mit ihrer Tätigkeit gegen keine Gesetze der DDR verstoßen haben und somit zu unrecht in der BRD juristisch verfolgt werden. Um ihr Ziel zu erreichen betreiben sie auch außerhalb des Gerichtssaales gezielt Geschichtsrevision. So haben sie z.B. im Jahr 2006 Schulen angeschrieben, und vor Besuchen des "StaSi"-Untersuchungsgefängnisses Hohenschönhausen gewarnt. Sie argumentieren, dass die ehemaligen Gefangenen in den Führungen dort Geschichtsfälschung betreiben. Daraufhin beschäftigte sich u.a. das Berliner Abgeordnetenhaus mit diesem Thema. Nach genauer Prüfung wurde jedoch beschlossen, den Verein nicht vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Selbst äußern sie sich nicht zu diesem Thema.
Neben diesen gibt es noch weitere Vereine mit ähnlichem Themenschwerpunkt. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich gegen die Nennung der Klarnamen, z.B. in Büchern oder Ausstellungen, der Mitarbeiter des MfS einsetzen, und dies auch vor Gericht durchsetzen.
Für die Mitglieder ist außerdem wichtig, dass dort die Kader weiterhin zusammen sind und damit ihre sozialen Kontakte sichern. Meist haben die ehemaligen Mitarbeiter des MfS aufgrund ihrer isolierten sozialen Situation kaum eine andere Umgebung. Deshalb gibt es auch de facto keine Personen, die über die Arbeit beim Ministerium für Staatssicherheit reden, da sie dadurch ihre Kontakte innerhalb dieser Gruppen verlören.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Arbeit und Organisation der ehemaligen Mitarbeiter des MfS die Aufarbeitung der Geschichte der DDR - insbesondere des MfS – erschweren.
Eine Familie
von Sophia Bachmann + Laura Herzig
Der Bruder
Er war immer schon Leistungssportler. In seiner Jugend, gerade erst 12 Jahre alt, wurde er fast Mitglied der Nationalmannschaft. Jacob strahlt bei diesem Gedanken: er, Weltmeister im Skispringen.
Selbst wenn er nur in seinem Sessel sitzt mit seinen Ende 40 wirkt er energiegeladen.
Doch er wollte den Kontakt zu seinen Westverwandten nicht abbrechen und die Stasi kam ihm dazwischen. Ihm wurde ein gefälschter Herzschaden nachgewiesen, die Sportausrüstung weggenommen und eine weitere Sportausübung verhindert. Von da an war er der DDR gegenüber sehr kritisch eingestellt. Er bekam Observationen mit und wie inoffizielle Mitarbeiter versuchten, so nahe wie möglich an seinen Familienkreis zu kommen. Er wollte Kunst studieren. Dies scheiterte an seiner "Nicht-Zusammenarbeit" mit der Stasi. Er wurde abgelehnt. Alle seine Bilder wurden beschlagnahmt und zensiert.
Danach wechselte er die Richtung und studierte Maschinenbau. Während dieser Zeit wurde er noch oft gefragt ob er nicht für die Stasi spitzeln wolle. Zum Beispiel wollte man ihn in einen DDR-kritischen Jugendkreis integrieren – oder besser einschleusen – und ihn Informationen sammeln lassen. Wieder lehnte er ab und beim Gedanken an die vielen Anfragen verdunkelt sich der Gesichtsausdruck des sympathischen Vierzigers.
Später im Betrieb plante er die Ausreise eines Kollegen mit. Was er allerdings nicht wusste, war, dass in seinem Betrieb heimlich Raketen hergestellt wurden. Dadurch stand dieser unter besonderer Überwachung durch die Stasi, die sich brennend für die Ausreisepläne interessierte. Jacob wurde zwei Stunden lang verhört. Dann konnte er gehen.
Darauf vorbereitet, verhaftet zu werden, waren Jacob und seine Frau immer auf der Hut. Er gab nichts mehr schriftlich.
Viele Dinge klärten sich für ihn dennoch erst nach seiner Akteneinsicht. Vor allem in Bezug auf den Sport. Warum, was geschehen war. Und auch heute noch ist er ein wenig misstrauisch anderen gegenüber.
Die Schwester
Kerstin ist das jüngste von vier Kindern und hat zum Ältesten sogar zwölf Jahre Altersunterschied. Viel mitbekommen hat sie von den Älteren früher also nicht.
Sie war eine DDR-Bürgerin wie die meisten anderen auch. Sie ging arbeiten, verdiente ihr Geld, hatte Freunde, verliebte sich und fühlte sich wohl in ihrer Umgebung. Ihr Leben war schon immer so, wie es sein sollte: einfach, unbekümmert und glücklich. Allerdings sieht Kerstins Blick ungläubig aus, wenn sie darüber redet, was sie danach über die Stasi erfuhr.
Ihre Freundin war IM bei der Stasi und berichtete über Gespräche mit Bekannten. Sie fühlt sich heute nicht schlecht deshalb. Warum sollte sie auch? Sie glaubte an das, was sie tat und war überzeugte Parteianhängerin.
Mutmaßungen darüber, wie präsent die Staatssicherheit eigentlich war, kamen bei Kerstin erst nach Aufdeckung derer Aktivitäten nach der Wende auf. Die Frau, die zu ihrer Arbeitsstelle in Dresden kam um die Telefone zu putzen, könnte sie Wanzen ausgewechselt oder sauber gemacht haben? Wurde sie abgehört, wenn sie auf Arbeit war? Sie weiß es nicht, aber sie vermutet es.
In einem Zeitungsartikel las sie über das Apartmenthaus, in dem sie in Dresden in jungen Jahren gewohnt hatte. Es hat dort fast ausschließlich Stasi Wohnungen gegeben. Auch das ist kein Grund zur Aufregung.
Kurz nach dem Mauerfall kam sie dann allerdings durch ihre Arbeit in Kontakt mit den Stasi-Methoden. Im Majakowski-Ring (Wohnort vieler Politiker + Co) sah sie bei einem Gynäkologen einen geheimen Stasi-Raum mit Ausstattung. Dieser Raum diente, nur durch eine Schiebewand getrennt, der Kontrolle von Prostituierten. Die kleine dunkelhaarige Frau kam sich vor wie in einem Krimi.
Nur einmal hat Kerstin mitbekommen, wie ihre Nachbarn von der Stasi befragt wurden. Das war, als ihre Mutter die Familie im Westen besuchen wollte.
Heute ist sie überrascht und teilweise schockiert darüber, wie viel Kontrolle die Stasi doch hatte. Das hatte sie nicht erwartet.
Der Vater
Bei der Partei zu sein, heißt gerade deshalb beobachtet zu werden. Das weiß der manchmal traurig blickende 75-jährige heute. Im Nachhinein vermutet er, dass es sogar Wanzen unter den Tapeten am Arbeitsplatz gab.
Im Gegensatz zu anderen, zum Beispiel seiner Tochter, nahm er sehr früh die Überwachung wahr.
Allein bei Kursfahrten ins Ausland, bei denen immer Stasi-Mitarbeiter dabei waren.
Anfangs arbeitete Gerhard in einer staatlichen Druckerei, später dann in einer privaten. Teilweise war er sogar an dem Stimmzetteldruck beteiligt. Deswegen bekam er das erste Mal Besuch von Stasi-Mitarbeitern. Um die gleiche Zeit, 1962, floh sein Schwager in den Westen und er wurde noch einmal von der Stasi überprüft.
Als die Druckerei, in der er 7 Jahre gearbeitet hatte, geschlossen werden sollte, schrieb er Ulbricht einen Brief. Dies half nichts. Also sprachen sich Gerhard und seine Kollegen dafür aus zu protestieren. Nur fünf Minuten später kam ein Stasi- Mitarbeiter vorbei mit der Frage: "Wie kommen sie denn auf diese Idee?" Folglich ließen sie es besser bleiben. Die Druckerei wurde geschlossen und Gerhard musste den Betrieb wechseln.
Der heute grauhaarige, stattliche Mann wurde auffällig beobachtet. Ihm war immer klar, dass die Leute vor seinem Haus nicht ohne Grund dort standen. Auch bei Familienfeiern waren inoffizielle Mitarbeiter eingeschleust. Diese kamen beispielsweise einfach zum Gratulieren vorbei. Wer es war und die wirkliche Sicherheit, dass es so war, bekam er allerdings erst nach der Wende.
Wen wundert es da, dass er den Menschen zur heutigen Zeit immer noch misstrauisch begegnet.
Der Bruder
Martin ist der älteste unter seinen Geschwistern. Er war bei seinem Vorstudium in Halle als er vom MfS (Ministerium für Staatssicherheit) angeworben wurde. Als IM arbeitete er dort dann von 1970 bis 1980. Überzeugt von der Politik der DDR unterstützte er stolz die Staatssicherheit. Als er später in Russland studierte, bestand seine Aufgabe darin seine Kommilitonen zu beobachten. Notizen über Auffälligkeiten und allgemeinen Informationen über Personen lieferte er alle zwei bis drei Monate ab.
Mit seinen gut 50 Jahren, seinen noch nicht ganz grauen Haaren und seinem intelligenten, freundlichen Blick meint er nun, dass er traurig darüber sei. Er hätte Gewissensbisse und sieht das System rückblickend als menschenverachtend an.
Der Onkel
Seine DDR- Geschichte ist kurz, aber eindringlich. 1962 haute Peter mit einigen Kollegen in den Westen ab. Die Geschwister im Osten konnte er frei besuchen, wie jeder andere Wessi auch. Doch einmal beging er den Fehler, sich mit seinem Bruder in der verbotenen Zone an der Grenze zur Tschechoslowakei zu treffen. Er wurde verhaftet und musste freigekauft werden. Danach kam er wieder in den Westen und ließ Ostbesuche erstmal bleiben. Dennoch verlor er nie den Kontakt zu seinen Geschwistern.
Der Onkel
Siegfried ist ein sehr linientreuer Bürger der DDR gewesen und Mitglied der Partei. Das hinderte ihn trotzdem nicht daran, Besuche von seinem Bruder aus dem Westen zu empfangen. Allerdings bekam er Probleme als er sich mit seinem Bruder in der verbotenen Zone traf. Er hätte wissen müssen, dass dies nicht gestattet war, da er in einer führenden Position in seinem Betrieb war.
Die Tante
Die wenigsten Menschen, im arbeitsfähigen Alter, können von einer legalen Auswanderung in den Westen berichten. Doch Christine mit ihren langen, grauen Haaren kann es. Sie wanderte offiziell 1966 aus, weil ihr Mann im Westen arbeitete.
„Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“
von Michael Günther
Reinhard Schult ist ein gelassener Mann. Wenn er mit ruhiger Stimme über seine Jugend in der DDR erzählt, vergisst man fast, dass es im Kern eine Heldengeschichte ist. Schult tat, was für uns heute normal ist: Eine eigene Meinung haben und dafür einstehen. Zu seiner Zeit und in seinem Land war es das jedoch nicht.
„Meine Familie, Verwandten und Bekannten waren Anti-DDR. Wir alle saßen auf gepackten Koffern. Für den 13. August 1961 waren unsere Tickets nach Baden-Württemberg bereits in Westberlin deponiert.“ Einen Tag zu spät – am Morgen des 13. wurde die Grenze geschlossen und der Mauerbau begonnen. Die Familie blieb, die kritische Auseinandersetzung mit der DDR auch.
Dieser Hintergrund machte Schult auch das Leben in der Schule schwer. Er wollte kein Pionier werden. Er vertrat eine andere Meinung als die meisten der Schüler. Ihm wurde angedroht, in eine Parallelklasse versetzt zu werden. Später verweigerte er den Waffendienst und seine Chancen auf einen Studienplatz sanken. Bildungsministerin Margot Honecker sagte, wer sich nicht zum Waffendienst bereit erkläre, sei es nicht wert, einen Studienplatz zu bekommen.
Ähnliche Erfahrungen machten auch andere Oppositionelle. Peter Grimm, heute unter anderem Redakteur bei der Zeitschrift „Horch und Guck“, wurde neun Tage vor den Abiturprüfungen wegen seiner „charakterlichen und moralischen Verfehlungen“ von seiner Schule verwiesen. Oft genug hat er sich nicht der Meinung seiner Lehrer angeschlossen. Der Traum vom Studium war geplatzt.
Anders bei Reinhard Schult. Er machte eine Ausbildung zum Maurer und bekam anschließend doch die Möglichkeit, ein Theologiestudium zu beginnen. Obwohl Schult sein Studium später abbrach, baute er in dieser Zeit einen engen Kontakt zur Evangelischen Studenten Gemeinde (ESG) auf.
In den 70er Jahren war die Kirche ein Zufluchtsort – nicht nur für Grimm, sondern auch für andere Andersdenkende, die der Kirche ferner standen. Die Kirche hatte schon immer ein angespanntes Verhältnis zum sozialistischen Staat. Und so standen auch die dort aktiven Menschen dem System nicht nah. Umso größer war das Interesse der Stasi, Inoffizielle Mitarbeiter (IM) in die Kirchenkreise einzuschleusen, was ihr teilweise in großem Umfang gelang. Doch der starke Zusammenhalt innerhalb der Kirche machte es der Stasi insgesamt schwer, wie gewohnt großen Einfluss zu nehmen. Die jeweiligen Personen legten ihren Mitmenschen offen, dass sie von der Stasi angeworben wurden. Sie waren somit als IM unbrauchbar. Anders als in privaten Wohnungen, waren Versammlungen in der Kirche möglich – egal ob systemtreu oder oppositionell.
Dennoch war die Kirche keine homogene Oppositionsbewegung. Auf der einen Seite gab es Theologen wie Heino Falcke, die der Stasi ein Dorn im Auge waren. Während eines Vortrags bei der Synode der evangelischen Kirchen der DDR im Jahr 1972 sprach Falcke von der „Hoffnung eines verbesserlichen Sozialismus“ und warb für politische Mitbestimmung und gesellschaftliche Mündigkeit. Kaum war diese Forderung ausgesprochen, formierte sich innerhalb der Kirche eine systemtreue Bewegung. Sie stellte klar, dass man die Kirche nicht als Schutzmantel für subversive Veränderungen missbrauchen dürfe.
Auch von außen wuchs der Druck. Während des Prager Frühlings 1968 wurde in Tschechien für mehr Demokratie demonstriert und die Regierung in Frage gestellt. Die SED war in Alarmbereitschaft. Egal ob Kirche oder nicht – Opposition durfte nicht zugelassen werden.
Reinhard Schult kämpfte trotz staatlichen Repressalien schon in den 70er Jahren konsequent für ein neues Gesellschaftsbild. 1976 wurde der systemkritische Liedermacher Wolf Biermann aus der DDR ausgewiesen. Schult und seine Studienfreunde von der ESG verteilten daraufhin Flugblätter mit Biermanns Texten. Das blieb nicht ungeahndet. Unter dem Vorwand, dass Schult von der geplanten Republikflucht eines Freundes wusste, verhaftete ihn die Stasi. Er verbrachte acht Monate im Pankower Stasi-Gefängnis in der Kissingenstraße. Seine Haftzeit betrachtet er heute mit gehöriger Distanz und sagt, dass die Haftbedingungen im Vergleich zu den 50er und 60er Jahren sehr viel besser waren. „Eingesperrt sein ist natürlich nie schön. Aber die Betten waren heruntergeklappt, man konnte den ganzen Tag herumliegen.“
Schult fand nach seiner Entlassung schnell wieder eine Beschäftigung als Maurer. Seine eigene Meinung ließ er sich weiterhin nicht verbieten und die Reaktion der Stasi ließ nicht lange auf sich warten. Bei einem Arztbesuch wurde ihm wegen angeblich starken Rückenschäden bescheinigt, dass er seinen Beruf nicht mehr weiter ausüben kann. Das war eine gängige Methode, um gegen Querulanten ein Berufsverbot zu verhängen. Doch Schult ließ sich nicht einschüchtern. Er entwendete die Röntgenaufnahmen und konsultierte einen zweiten Arzt. Dieser konnte die Rückenschäden nicht bestätigen. Durch diese Hartnäckigkeit bewahrte Schult sich seinen Arbeitsplatz.
Zu Beginn der 80er Jahre änderte die DDR aufgrund verstärkter internationaler Beobachtungen ihre Politik gegen oppositionelle Bürger. Die Wirtschaft der DDR schwächelte. Sie steckte in einer Kreditklemme und die Abhängigkeit von der BRD stieg. Die westliche Medienpräsenz in Berlin wuchs ebenso. Daher wurden Verhaftungen seltener, die Sanktionen gegenüber „Jugendsünden“ jedoch verschärft. In den Folgejahren wurden die oppositionellen Bewegungen aktiver.
Peter Grimm gründete 1985 die Initiative für Menschenrechte, die sich als erste Bewegung klar in der Opposition zur SED sah. „Wir waren zwar links, aber gegen das System. Anders als die Generation um Schult versuchten wir nicht, die DDR zu reformieren, wir lehnten sie ab.“ beschreibt Grimm den Geist der damaligen Bewegung. Weitere Initiativen folgten.
Anfang 1987 fand eine ökumenische Versammlung mit Forderungen nach Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung statt. In der Folgezeit bis zur Wende wurden viele Schriften mit dem Anliegen der Demokratisierung der DDR verabschiedet. Insgesamt wurde die Oppositionsbewegung bunter, die Kirchen öffneten sich, die Gesellschaft wurde mutiger. Reinhard Schult wurde treibende Kraft des Neuen Forums um auf diesem Weg für eine Demokratisierung der DDR zu kämpfen. Das Neue Forum forderte in seinem Beschluss „Aufbruch 89“ einen „demokratischen Dialog“. Im Mittelpunkt standen Grundrechte wie die freie Meinungsäußerung, ebenso wie die strikte Gewaltenteilung und eine ehrliche Analyse der wirtschaftlichen und ökologischen Situation. Das Ziel der deutschen Wiedervereinigung formulierte das Neue Forum jedoch nicht.
Reinhard Schults Wille für einen gesellschaftlichen Wandel zu kämpfen ist ungebrochen. „Gerade weil man Verantwortung für seine Kinder und Mitmenschen hat, darf man keinesfalls vor Bemühungen zurückschrecken und sich nicht unterbuttern lassen.“
Eine eigene Meinung zu haben ist kein Luxus. Sie jedoch aufzugeben aus Angst vor den Konsequenzen oder – noch schlimmer – für persönlichen Vorteil ist für Schult nicht akzeptabel.
Schöne Texte, entstanden im Workshop „Journalistisches Schreiben“
Zweimal Tee und Kuchen für die Leute der Stasi
von Tatjana Fincke
Es ist 2 Uhr morgens. Bei Jürgen Fuchs klingelt das Telefon. Als er endlich aus dem Bett aufgestanden ist und den Hörer abgehoben hat, hört er nur noch ein Atmen am anderen Ende der Leitung. Dann wird aufgelegt.
Um 6 Uhr 30 in der Früh klingelt es an der Wohnungstür. Ein Antiquitätenhändler steht davor, er wolle sich den Schrank ansehen, der zum Verkauf stünde. Aber Jürgen Fuchs hat keinen Schrank zu verkaufen.
Was sich wie ein schlechter Scherz anhört, hat Methode. Und einen Drahtzieher: Die Stasi.
Jürgen Fuchs war nicht das einzige Opfer dieser Methode, die die Stasi als „Zersetzung“ bezeichnete. Das Ministerium für Staatssicherheit, kurz MfS, wurde am 8. Februar 1950 gegründet. Bis zum Ende 1989 wuchs der Apparat der Stasi auf rund 91.000 Offizielle Mitarbeiter (OM) und 189.000 Inoffizielle Mitarbeiter (IM) beim MfS.
Ihre Hauptaufgabe bestand darin, die Herrschaft der SED zu sichern und alle bedrohlichen Kräfte zu zerschlagen.
Dies tat sie, indem sie von jedem verdächtigen Bürger ein genaues Persönlichkeitsprofil erstellte und dies wenn nötig zum “Wohle des Staates“ beeinflusste. Dabei genügte es bereits, einen schlechten Scherz auf Kosten der Regierung zu machen, um als oppositionell zu gelten.
Um jegliche Aktivitäten gegen die Regierung rechtzeitig erkennen und zerschlagen zu können, standen den Mitarbeitern der Stasi zahlreiche Überwachungsmethoden zur Verfügung. Direkte und indirekte Observationen, Post- und Telefonkontrolle sowie konspirative Wohnungsdurchsuchungen der "feindlichen Zielperson". Die direkte Beeinflussung der Bürger erfolgte mit härteren Methoden. Die häufigste und wirksamste war die Erpressung.
So wurde Jürgen Fuchs 1986 von der Schule verwiesen und durfte kein Abitur machen, weil der Schulleiter ihn als "politisch unzulässig" einstufte.
Anderen drohte man mit Berufsverbot – auch für die Angehörigen der Familie.
Der enorme Apparat von Spitzeln hatte auch Folgen für das soziale Zusammenleben. Die Atmosphäre zwischen den Bürgern war geprägt von ständigem Misstrauen. Jeder im Umfeld konnte ein IM sein, mitunter gezielt positioniert.
Peter Grimm, Redakteur der Zeitung „Horch und Guck“ und Oppositioneller berichtete von seinem neuen Nachbar, der kurz nach ihm das Haus bezog. Der Mann entpuppte sich später als Stasimitarbeiter, der auf ihn angesetzt war.
Im ähnlichen Zusammenhang war die Methode „Romeo“ sehr beliebt. Hier wurde ein IM auf einen oppositionellen Bürger angesetzt und ging auf Befehl der Stasi eine Partnerschaft ein. Manchmal heiratete er auch. Das wohl bekannteste Opfer dieser Methode ist Vera Wollenberger.
1991 erfuhr sie aus ihren Akten der Stasi, dass ihr Ehemann sie im Auftrag der Stasi vor über 20 Jahren geheiratet und bespitzelt hatte. Sie reichte die Scheidung ein und nahm ihren Mädchennamen Lengsfeld wieder an.
Zu Beginn der 80er Jahre steckte die DDR in einer großen finanziellen Krise, die sie mit ausländischen Geldern bewältigte. Damit stieg auch der internationalen Druck, von nun an humaner mit ihren Bürgern umzugehen.
Die Stasi ging weniger mit Inhaftierungen und öffentlichen Drohungen gegen Oppositionelle vor, sondern benutzte verstärkt die sogenannte Zersetzungsmethode.
Eine psychische, subtile Methode, die das MfS Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit wie folgt beschreibt: „Ziel ... ist die Zersplitterung, Lähmung, Desorganisierung und Isolierung feindlich-negativer Kräfte, um dadurch eine differenzierte politisch-ideologische Rückgewinnung zu ermöglichen.“
Wie im Fall von Jürgen Fuchs konnte das mit nächtlichen Anrufen und dem Verstellen von Gegenständen in der Wohnung passieren oder es wurden Pornos bestellt und zur Abholung beim Nachbarn abgegeben. Eine weitere Methode war das Streuen von Gerüchten im beruflichen und sozialen Umfeld, um die Oppositionellen zu "isolieren".
Bei Jürgen Fuchs ging die Stasi sogar noch einen Schritt weiter und lies unter seinem Auto ein Sprengsatz detonieren, um ihn einzuschüchtern.
Jürgen Fuchs bezeichnete die Zersetzungsmethode als "Auschwitz in den Seelen".
1999 starb er mit 48 Jahren an Leukämie.
Spätere Aktenuntersuchungen ergaben, dass die Stasi vorhatte, ihn systematisch mit Gammastrahlen zu vergiften. Dies tat sie, indem sie seine Arbeitsmittel dieser Strahlung aussetzte. An diesen Folgen starb er schließlich. Einer von vielen die gestorben sind, weil sie ihre Meinung vertreten haben.
Bei soviel Bedrohung durch die Stasi half oft nur noch Humor. So brachte Frau Malson* den 2 Stasimitarbeitern, die im Winter vor ihrem Haus im Auto saßen und sie observierten, Tee, damit sie nicht erfrieren und Kuchen, damit sie etwas zu essen hatten.
* Name von der Redaktion geändert
Die aus der Normannenstraße
von Ben Kotala
Als die Mauer fiel, hatte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR 91.015 hauptamtliche Mitarbeiter. Diese Mitarbeiter arbeiteten in unterschiedlichen Bereichen des Ministeriums, mit dem Ziel andere Bürger zu kontrollieren. Aber auch die Mitarbeiter selbst wurden kontrolliert. Ihr eigenes Ministerium misstraute nicht nur jedem im Land, auch jedem im eigenen Haus. So konnten zum Beispiel die Fenster der Büros des MfS in der Normannenstraße nicht geöffnet werden und enthielten matte Scheiben. Zur Lüftung gab es eine zweite Öffnung, welche aus feinen Lamellen bestand. Sie ließen sich aufdrehen, aber waren so fein, dass die Mitarbeiter nicht hinaussehen konnten. Auch die umliegenden Häuser gehörten dem Ministerium und dort wohnten die Mitarbeiter. So war sichergestellt, dass keine Fremden zu nah an das Ministerium kamen und die Mitarbeiter kaum Kontakt zur Bevölkerung hatten. Es war auch kein Zufall, dass jede beobachtete Person, aber auch die IMs Decknamen bekamen und keine Klarnamen in den Akten auftauchen. Dadurch war sichergestellt, dass kein Mitarbeiter diese Personen kannte und weitere Verwicklungen entstanden.
Doch die Mitarbeiter wurden nicht nur von innen argwöhnisch beäugt, sondern auch von außen. Sie wohnten meist zusammen in den besseren Häusern am Ort und waren dort auch bekannt. Daher blieben die Mitarbeiter der „StaSi“ - wie auch die Mitarbeiter der anderen Staatlichen Organe - unter sich und schotteten sich ab. Daraus resultierte ein starkes Gemeinschaftsgefühl, und entstand ein Ehrenkodex nach dem keiner die anderen belasten darf. Aus diesem Kodex heraus sprechen bis heute kaum hauptamtliche Mitarbeiter über die Arbeit des MfS.
Nach dem Mauerfall reorganisierten sich die Mitarbeiter schnell in Vereinen. In diesen Vereinen werden die Kontakte gepflegt und es treffen sich Gleichgesinnte. Zwei weitere Aufgaben haben sich die Vereine auf die Fahne geschrieben. Sie erstreiten die Sonderrenten für die ehemaligen Mitarbeiter und betreiben gezielt Geschichtspolitik.
Größter Vertreter dieser Vereine ist die „Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte ehemaliger Angehöriger bewaffneter Organe und der Zollverwaltung der DDR“ (ISOR). Nach eigenen Angeben hat der Verein 24.000 Mitglieder aus den so genannten "bewaffneten Organen" (Polizei, Militär, MfS, Zollverwaltung) der DDR. Hauptaufgabe von ISOR sind die Renten, insbesondere die Sonderrenten für ehemalige Mitarbeiter der "bewaffneten Staatsorgane", zu erstreiten. Nach der Wiedervereinigung wurden die Renten für die Mitarbeiter neu berechnet, und teilweise Sonderenten gestrichen. ISOR wirft der BRD vor, damit eine Politik der "Strafrente" zu betreiben. Gegen diese Berechnungen gehen sie gerichtlich vor, oft erfolgreich. Teilweise waren bei der Brechung dieser Renten Verfahrensfehler begangen worden. Diese Lücke nutzt der Verein aus.
Ein anderer Verein ist die "Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung" (GRH). Die Mitglieder setzen sich größtenteils aus den höheren Kadern der "bewaffneten Organe" zusammen. Hauptaufgabe des Vereins ist es, Mitglieder bei Gerichtsprozessen zu unterstützen. Ihr Hauptargument dabei ist, dass diese Personen mit ihrer Tätigkeit gegen keine Gesetze der DDR verstoßen haben und somit zu unrecht in der BRD juristisch verfolgt werden. Um ihr Ziel zu erreichen betreiben sie auch außerhalb des Gerichtssaales gezielt Geschichtsrevision. So haben sie z.B. im Jahr 2006 Schulen angeschrieben, und vor Besuchen des "StaSi"-Untersuchungsgefängnisses Hohenschönhausen gewarnt. Sie argumentieren, dass die ehemaligen Gefangenen in den Führungen dort Geschichtsfälschung betreiben. Daraufhin beschäftigte sich u.a. das Berliner Abgeordnetenhaus mit diesem Thema. Nach genauer Prüfung wurde jedoch beschlossen, den Verein nicht vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Selbst äußern sie sich nicht zu diesem Thema.
Neben diesen gibt es noch weitere Vereine mit ähnlichem Themenschwerpunkt. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich gegen die Nennung der Klarnamen, z.B. in Büchern oder Ausstellungen, der Mitarbeiter des MfS einsetzen, und dies auch vor Gericht durchsetzen.
Für die Mitglieder ist außerdem wichtig, dass dort die Kader weiterhin zusammen sind und damit ihre sozialen Kontakte sichern. Meist haben die ehemaligen Mitarbeiter des MfS aufgrund ihrer isolierten sozialen Situation kaum eine andere Umgebung. Deshalb gibt es auch de facto keine Personen, die über die Arbeit beim Ministerium für Staatssicherheit reden, da sie dadurch ihre Kontakte innerhalb dieser Gruppen verlören.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Arbeit und Organisation der ehemaligen Mitarbeiter des MfS die Aufarbeitung der Geschichte der DDR - insbesondere des MfS – erschweren.
Eine Familie
von Sophia Bachmann + Laura Herzig
Der Bruder
Er war immer schon Leistungssportler. In seiner Jugend, gerade erst 12 Jahre alt, wurde er fast Mitglied der Nationalmannschaft. Jacob strahlt bei diesem Gedanken: er, Weltmeister im Skispringen.
Selbst wenn er nur in seinem Sessel sitzt mit seinen Ende 40 wirkt er energiegeladen.
Doch er wollte den Kontakt zu seinen Westverwandten nicht abbrechen und die Stasi kam ihm dazwischen. Ihm wurde ein gefälschter Herzschaden nachgewiesen, die Sportausrüstung weggenommen und eine weitere Sportausübung verhindert. Von da an war er der DDR gegenüber sehr kritisch eingestellt. Er bekam Observationen mit und wie inoffizielle Mitarbeiter versuchten, so nahe wie möglich an seinen Familienkreis zu kommen. Er wollte Kunst studieren. Dies scheiterte an seiner "Nicht-Zusammenarbeit" mit der Stasi. Er wurde abgelehnt. Alle seine Bilder wurden beschlagnahmt und zensiert.
Danach wechselte er die Richtung und studierte Maschinenbau. Während dieser Zeit wurde er noch oft gefragt ob er nicht für die Stasi spitzeln wolle. Zum Beispiel wollte man ihn in einen DDR-kritischen Jugendkreis integrieren – oder besser einschleusen – und ihn Informationen sammeln lassen. Wieder lehnte er ab und beim Gedanken an die vielen Anfragen verdunkelt sich der Gesichtsausdruck des sympathischen Vierzigers.
Später im Betrieb plante er die Ausreise eines Kollegen mit. Was er allerdings nicht wusste, war, dass in seinem Betrieb heimlich Raketen hergestellt wurden. Dadurch stand dieser unter besonderer Überwachung durch die Stasi, die sich brennend für die Ausreisepläne interessierte. Jacob wurde zwei Stunden lang verhört. Dann konnte er gehen.
Darauf vorbereitet, verhaftet zu werden, waren Jacob und seine Frau immer auf der Hut. Er gab nichts mehr schriftlich.
Viele Dinge klärten sich für ihn dennoch erst nach seiner Akteneinsicht. Vor allem in Bezug auf den Sport. Warum, was geschehen war. Und auch heute noch ist er ein wenig misstrauisch anderen gegenüber.
Die Schwester
Kerstin ist das jüngste von vier Kindern und hat zum Ältesten sogar zwölf Jahre Altersunterschied. Viel mitbekommen hat sie von den Älteren früher also nicht.
Sie war eine DDR-Bürgerin wie die meisten anderen auch. Sie ging arbeiten, verdiente ihr Geld, hatte Freunde, verliebte sich und fühlte sich wohl in ihrer Umgebung. Ihr Leben war schon immer so, wie es sein sollte: einfach, unbekümmert und glücklich. Allerdings sieht Kerstins Blick ungläubig aus, wenn sie darüber redet, was sie danach über die Stasi erfuhr.
Ihre Freundin war IM bei der Stasi und berichtete über Gespräche mit Bekannten. Sie fühlt sich heute nicht schlecht deshalb. Warum sollte sie auch? Sie glaubte an das, was sie tat und war überzeugte Parteianhängerin.
Mutmaßungen darüber, wie präsent die Staatssicherheit eigentlich war, kamen bei Kerstin erst nach Aufdeckung derer Aktivitäten nach der Wende auf. Die Frau, die zu ihrer Arbeitsstelle in Dresden kam um die Telefone zu putzen, könnte sie Wanzen ausgewechselt oder sauber gemacht haben? Wurde sie abgehört, wenn sie auf Arbeit war? Sie weiß es nicht, aber sie vermutet es.
In einem Zeitungsartikel las sie über das Apartmenthaus, in dem sie in Dresden in jungen Jahren gewohnt hatte. Es hat dort fast ausschließlich Stasi Wohnungen gegeben. Auch das ist kein Grund zur Aufregung.
Kurz nach dem Mauerfall kam sie dann allerdings durch ihre Arbeit in Kontakt mit den Stasi-Methoden. Im Majakowski-Ring (Wohnort vieler Politiker + Co) sah sie bei einem Gynäkologen einen geheimen Stasi-Raum mit Ausstattung. Dieser Raum diente, nur durch eine Schiebewand getrennt, der Kontrolle von Prostituierten. Die kleine dunkelhaarige Frau kam sich vor wie in einem Krimi.
Nur einmal hat Kerstin mitbekommen, wie ihre Nachbarn von der Stasi befragt wurden. Das war, als ihre Mutter die Familie im Westen besuchen wollte.
Heute ist sie überrascht und teilweise schockiert darüber, wie viel Kontrolle die Stasi doch hatte. Das hatte sie nicht erwartet.
Der Vater
Bei der Partei zu sein, heißt gerade deshalb beobachtet zu werden. Das weiß der manchmal traurig blickende 75-jährige heute. Im Nachhinein vermutet er, dass es sogar Wanzen unter den Tapeten am Arbeitsplatz gab.
Im Gegensatz zu anderen, zum Beispiel seiner Tochter, nahm er sehr früh die Überwachung wahr.
Allein bei Kursfahrten ins Ausland, bei denen immer Stasi-Mitarbeiter dabei waren.
Anfangs arbeitete Gerhard in einer staatlichen Druckerei, später dann in einer privaten. Teilweise war er sogar an dem Stimmzetteldruck beteiligt. Deswegen bekam er das erste Mal Besuch von Stasi-Mitarbeitern. Um die gleiche Zeit, 1962, floh sein Schwager in den Westen und er wurde noch einmal von der Stasi überprüft.
Als die Druckerei, in der er 7 Jahre gearbeitet hatte, geschlossen werden sollte, schrieb er Ulbricht einen Brief. Dies half nichts. Also sprachen sich Gerhard und seine Kollegen dafür aus zu protestieren. Nur fünf Minuten später kam ein Stasi- Mitarbeiter vorbei mit der Frage: "Wie kommen sie denn auf diese Idee?" Folglich ließen sie es besser bleiben. Die Druckerei wurde geschlossen und Gerhard musste den Betrieb wechseln.
Der heute grauhaarige, stattliche Mann wurde auffällig beobachtet. Ihm war immer klar, dass die Leute vor seinem Haus nicht ohne Grund dort standen. Auch bei Familienfeiern waren inoffizielle Mitarbeiter eingeschleust. Diese kamen beispielsweise einfach zum Gratulieren vorbei. Wer es war und die wirkliche Sicherheit, dass es so war, bekam er allerdings erst nach der Wende.
Wen wundert es da, dass er den Menschen zur heutigen Zeit immer noch misstrauisch begegnet.
Der Bruder
Martin ist der älteste unter seinen Geschwistern. Er war bei seinem Vorstudium in Halle als er vom MfS (Ministerium für Staatssicherheit) angeworben wurde. Als IM arbeitete er dort dann von 1970 bis 1980. Überzeugt von der Politik der DDR unterstützte er stolz die Staatssicherheit. Als er später in Russland studierte, bestand seine Aufgabe darin seine Kommilitonen zu beobachten. Notizen über Auffälligkeiten und allgemeinen Informationen über Personen lieferte er alle zwei bis drei Monate ab.
Mit seinen gut 50 Jahren, seinen noch nicht ganz grauen Haaren und seinem intelligenten, freundlichen Blick meint er nun, dass er traurig darüber sei. Er hätte Gewissensbisse und sieht das System rückblickend als menschenverachtend an.
Der Onkel
Seine DDR- Geschichte ist kurz, aber eindringlich. 1962 haute Peter mit einigen Kollegen in den Westen ab. Die Geschwister im Osten konnte er frei besuchen, wie jeder andere Wessi auch. Doch einmal beging er den Fehler, sich mit seinem Bruder in der verbotenen Zone an der Grenze zur Tschechoslowakei zu treffen. Er wurde verhaftet und musste freigekauft werden. Danach kam er wieder in den Westen und ließ Ostbesuche erstmal bleiben. Dennoch verlor er nie den Kontakt zu seinen Geschwistern.
Der Onkel
Siegfried ist ein sehr linientreuer Bürger der DDR gewesen und Mitglied der Partei. Das hinderte ihn trotzdem nicht daran, Besuche von seinem Bruder aus dem Westen zu empfangen. Allerdings bekam er Probleme als er sich mit seinem Bruder in der verbotenen Zone traf. Er hätte wissen müssen, dass dies nicht gestattet war, da er in einer führenden Position in seinem Betrieb war.
Die Tante
Die wenigsten Menschen, im arbeitsfähigen Alter, können von einer legalen Auswanderung in den Westen berichten. Doch Christine mit ihren langen, grauen Haaren kann es. Sie wanderte offiziell 1966 aus, weil ihr Mann im Westen arbeitete.
„Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“
von Michael Günther
Reinhard Schult ist ein gelassener Mann. Wenn er mit ruhiger Stimme über seine Jugend in der DDR erzählt, vergisst man fast, dass es im Kern eine Heldengeschichte ist. Schult tat, was für uns heute normal ist: Eine eigene Meinung haben und dafür einstehen. Zu seiner Zeit und in seinem Land war es das jedoch nicht.
„Meine Familie, Verwandten und Bekannten waren Anti-DDR. Wir alle saßen auf gepackten Koffern. Für den 13. August 1961 waren unsere Tickets nach Baden-Württemberg bereits in Westberlin deponiert.“ Einen Tag zu spät – am Morgen des 13. wurde die Grenze geschlossen und der Mauerbau begonnen. Die Familie blieb, die kritische Auseinandersetzung mit der DDR auch.
Dieser Hintergrund machte Schult auch das Leben in der Schule schwer. Er wollte kein Pionier werden. Er vertrat eine andere Meinung als die meisten der Schüler. Ihm wurde angedroht, in eine Parallelklasse versetzt zu werden. Später verweigerte er den Waffendienst und seine Chancen auf einen Studienplatz sanken. Bildungsministerin Margot Honecker sagte, wer sich nicht zum Waffendienst bereit erkläre, sei es nicht wert, einen Studienplatz zu bekommen.
Ähnliche Erfahrungen machten auch andere Oppositionelle. Peter Grimm, heute unter anderem Redakteur bei der Zeitschrift „Horch und Guck“, wurde neun Tage vor den Abiturprüfungen wegen seiner „charakterlichen und moralischen Verfehlungen“ von seiner Schule verwiesen. Oft genug hat er sich nicht der Meinung seiner Lehrer angeschlossen. Der Traum vom Studium war geplatzt.
Anders bei Reinhard Schult. Er machte eine Ausbildung zum Maurer und bekam anschließend doch die Möglichkeit, ein Theologiestudium zu beginnen. Obwohl Schult sein Studium später abbrach, baute er in dieser Zeit einen engen Kontakt zur Evangelischen Studenten Gemeinde (ESG) auf.
In den 70er Jahren war die Kirche ein Zufluchtsort – nicht nur für Grimm, sondern auch für andere Andersdenkende, die der Kirche ferner standen. Die Kirche hatte schon immer ein angespanntes Verhältnis zum sozialistischen Staat. Und so standen auch die dort aktiven Menschen dem System nicht nah. Umso größer war das Interesse der Stasi, Inoffizielle Mitarbeiter (IM) in die Kirchenkreise einzuschleusen, was ihr teilweise in großem Umfang gelang. Doch der starke Zusammenhalt innerhalb der Kirche machte es der Stasi insgesamt schwer, wie gewohnt großen Einfluss zu nehmen. Die jeweiligen Personen legten ihren Mitmenschen offen, dass sie von der Stasi angeworben wurden. Sie waren somit als IM unbrauchbar. Anders als in privaten Wohnungen, waren Versammlungen in der Kirche möglich – egal ob systemtreu oder oppositionell.
Dennoch war die Kirche keine homogene Oppositionsbewegung. Auf der einen Seite gab es Theologen wie Heino Falcke, die der Stasi ein Dorn im Auge waren. Während eines Vortrags bei der Synode der evangelischen Kirchen der DDR im Jahr 1972 sprach Falcke von der „Hoffnung eines verbesserlichen Sozialismus“ und warb für politische Mitbestimmung und gesellschaftliche Mündigkeit. Kaum war diese Forderung ausgesprochen, formierte sich innerhalb der Kirche eine systemtreue Bewegung. Sie stellte klar, dass man die Kirche nicht als Schutzmantel für subversive Veränderungen missbrauchen dürfe.
Auch von außen wuchs der Druck. Während des Prager Frühlings 1968 wurde in Tschechien für mehr Demokratie demonstriert und die Regierung in Frage gestellt. Die SED war in Alarmbereitschaft. Egal ob Kirche oder nicht – Opposition durfte nicht zugelassen werden.
Reinhard Schult kämpfte trotz staatlichen Repressalien schon in den 70er Jahren konsequent für ein neues Gesellschaftsbild. 1976 wurde der systemkritische Liedermacher Wolf Biermann aus der DDR ausgewiesen. Schult und seine Studienfreunde von der ESG verteilten daraufhin Flugblätter mit Biermanns Texten. Das blieb nicht ungeahndet. Unter dem Vorwand, dass Schult von der geplanten Republikflucht eines Freundes wusste, verhaftete ihn die Stasi. Er verbrachte acht Monate im Pankower Stasi-Gefängnis in der Kissingenstraße. Seine Haftzeit betrachtet er heute mit gehöriger Distanz und sagt, dass die Haftbedingungen im Vergleich zu den 50er und 60er Jahren sehr viel besser waren. „Eingesperrt sein ist natürlich nie schön. Aber die Betten waren heruntergeklappt, man konnte den ganzen Tag herumliegen.“
Schult fand nach seiner Entlassung schnell wieder eine Beschäftigung als Maurer. Seine eigene Meinung ließ er sich weiterhin nicht verbieten und die Reaktion der Stasi ließ nicht lange auf sich warten. Bei einem Arztbesuch wurde ihm wegen angeblich starken Rückenschäden bescheinigt, dass er seinen Beruf nicht mehr weiter ausüben kann. Das war eine gängige Methode, um gegen Querulanten ein Berufsverbot zu verhängen. Doch Schult ließ sich nicht einschüchtern. Er entwendete die Röntgenaufnahmen und konsultierte einen zweiten Arzt. Dieser konnte die Rückenschäden nicht bestätigen. Durch diese Hartnäckigkeit bewahrte Schult sich seinen Arbeitsplatz.
Zu Beginn der 80er Jahre änderte die DDR aufgrund verstärkter internationaler Beobachtungen ihre Politik gegen oppositionelle Bürger. Die Wirtschaft der DDR schwächelte. Sie steckte in einer Kreditklemme und die Abhängigkeit von der BRD stieg. Die westliche Medienpräsenz in Berlin wuchs ebenso. Daher wurden Verhaftungen seltener, die Sanktionen gegenüber „Jugendsünden“ jedoch verschärft. In den Folgejahren wurden die oppositionellen Bewegungen aktiver.
Peter Grimm gründete 1985 die Initiative für Menschenrechte, die sich als erste Bewegung klar in der Opposition zur SED sah. „Wir waren zwar links, aber gegen das System. Anders als die Generation um Schult versuchten wir nicht, die DDR zu reformieren, wir lehnten sie ab.“ beschreibt Grimm den Geist der damaligen Bewegung. Weitere Initiativen folgten.
Anfang 1987 fand eine ökumenische Versammlung mit Forderungen nach Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung statt. In der Folgezeit bis zur Wende wurden viele Schriften mit dem Anliegen der Demokratisierung der DDR verabschiedet. Insgesamt wurde die Oppositionsbewegung bunter, die Kirchen öffneten sich, die Gesellschaft wurde mutiger. Reinhard Schult wurde treibende Kraft des Neuen Forums um auf diesem Weg für eine Demokratisierung der DDR zu kämpfen. Das Neue Forum forderte in seinem Beschluss „Aufbruch 89“ einen „demokratischen Dialog“. Im Mittelpunkt standen Grundrechte wie die freie Meinungsäußerung, ebenso wie die strikte Gewaltenteilung und eine ehrliche Analyse der wirtschaftlichen und ökologischen Situation. Das Ziel der deutschen Wiedervereinigung formulierte das Neue Forum jedoch nicht.
Reinhard Schults Wille für einen gesellschaftlichen Wandel zu kämpfen ist ungebrochen. „Gerade weil man Verantwortung für seine Kinder und Mitmenschen hat, darf man keinesfalls vor Bemühungen zurückschrecken und sich nicht unterbuttern lassen.“
Eine eigene Meinung zu haben ist kein Luxus. Sie jedoch aufzugeben aus Angst vor den Konsequenzen oder – noch schlimmer – für persönlichen Vorteil ist für Schult nicht akzeptabel.




