Deutsch-Deutsche Geschichte in Bildung und Schule
Bild zu Emotionaler Geschichtsunterricht
Aktuelles

Emotionaler Geschichtsunterricht

Autor

Redaktion

Kommentare

1

Kategorien

Aktuelles

Kontakt

Redaktion

Drucken

Diese Seite drucken

„Weggesperrt“ wird die 14-jährige Anja in dem gleichnamigen Roman von Grit Poppe, der 1988/89 in der DDR spielt und ein lange verschwiegenes Kapitel der DDR-Diktatur zur Sprache bringt. 
 
Anjas Mutter hat einen Ausreiseantrag gestellt. Da sie auch sonst durch Eingaben und Beschwerden schon auffällig geworden ist, werden Mutter und Tochter nachts verhaftet. Anja landet zunächst in einem Übergangsheim, ohne etwas über den Verbleib der Mutter zu erfahren. 
 
Dort nutzt sie eine Gelegenheit zur Flucht, versteckt sich einige Wochen bei dem oppositionellen Bruder ihrer Mutter, wird aber bald von der Polizei abgeholt und ins Heim zurückgebracht. Als Strafe kommt sie in die Arrestzelle, eine weitere Stufe in den zu erleidenden Demütigungen. Als endlich ein Brief der Mutter kommt, weigert sich die Erzieherin, ihr diesen auszuhändigen. Anja rastet derart aus, dass sie die Erzieherin mit einem Stuhl niederschlägt.
 
Daraufhin wird sie in den geschlossenen Jugendwerkhof Torgau verlegt, eine Einrichtung der „Jugendhilfe“ hinter Gittern, mit Zwangsarbeit, Gewalt, sportlichem Drill und Stacheldraht.
 
Wie das alles weitergeht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. 
 
Die Geschichte von Anja ist fiktiv, aber für ihr Buch hat Grit Poppe im ehemaligen Jugendwerkhof Torgau, der heute eine Erinnerungs- und Begegnungsstätte ist, geforscht und stützt sich auf die Aussagen von verschiedenen Zeitzeugen.
 
Vor allem Stefan Lauter und Kerstin Kuzia, denen sie ihr Buch widmet, wollten nach Jahren des Schweigens ganz bewusst mit ihrer Geschichte in die Öffentlichkeit gehen und haben sich mehrmals mit Poppe zu Gesprächen getroffen.
 
Ihre Schicksale stehen für viele: Kerstin Kuzia wurde im Alter von sechs Jahren von ihrer überforderten Mutter in die Kinderpsychiatrie abgeschoben und durchlief bis zur Volljährigkeit mehrere Heime und schließlich auch den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau. Stefan Lauter, der aus einem kommunistisch geprägten Elternhaus stammt, ist mit 16 aus der FDJ ausgetreten, woraufhin sich seine Eltern von ihm distanzierten. Er wurde in einen Jugendwerkhof eingewiesen, wehrte sich dagegen und landete schließlich ebenfalls in Torgau. Bis 1989 waren dort etwa 4500 Jugendliche eingesperrt, deren Schicksal Poppe stellvertretend mit der Figur der 14-jährigen Anja darstellt.
 
Entstanden ist ein sehr gut geschriebener Roman mit vielen spannenden und auch humorvollen Szenen, so dass sich das Buch wirklich schnell und flüssig liest. 
 
Zusätzlich zum Romangeschehen gibt es eine knappe Chronik über die Ereignisse der Friedlichen Revolution 1989/90 auf den letzten Seiten des Buches sowie ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen wie „Montagsdemonstration“, „Pionier“, „Sozialismus“ und „Staatssicherheit“, die eventuell bei Referaten und ähnlichem hilfreich sein können. 
 
Dieser Jugendroman, der für Schüler ab 14 Jahre geeignet ist, ist eine hervorragende Diskussionsgrundlage für den Unterricht.
 
Zu diesem Buch gibt es auch Unterrichtsmaterialien unter www.vgo-schule.de und www.krapp-gutknecht.de
 
Grit Poppe: Weggesperrt. Dressler Verlag, Hamburg 2009. 
336 Seiten, 9,95 €, ISBN-10: 3791516329
 
Ellen Koth
 
Ähnliche Beiträge:
Keine Macht für Niemand
Humoresken aus der DDR
Leben in der DDR
Dossier: Frauen in Haft Einführungstext: Frauen in Haft

Einführungstext: Frauen in Haft

Text | Über politische Häftlinge in SBZ und DDR (1945 bis 1989/90)

Aktuelles DDR-Geschichte soll früher unterrichtet werden

DDR-Geschichte soll früher unterrichtet werden

Text | Brandenburg will das Thema stärker unterrichten

Dossier: Geschichte erzählen Rezension: Erzählte Geschichte im Roman von Eugen Ruge

Rezension: Erzählte Geschichte im Roman von Eugen Ruge

Text | Zum Buch "In Zeiten des abnehmenden Lichts. Roman einer Familie"