Dossier: Mauerbau
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Rezension: Vom Leben und Regieren an der Grenze
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Datum
08.07.2011
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Mauer, Grenze & Flucht
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Grau und trist wirkt er, der Konferenzsaal der Gedenkstätte Berliner Mauer. Umso lebendiger gestalteten sich die Vorträge, die dort am 17. Juni 2011 anlässlich der Tagung "Der Mauerbau 1961 – Kalter Krieg, Deutsche Teilung" zu hören waren.
Wie sah die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Lage in der DDR nach dem Bau der Mauer aus? Dieser Frage gingen die Referenten Dr. Gerhard Sälter, Prof. Dr. Patrick Major, Prof. Dr. André Steiner und Dr. Jens Schöne nach. Dass die Vorträge dabei weniger vor neuen Forschungserkenntnissen strotzten, war angesichts ihres informativen und vor allem kompakten Gehaltes zweitrangig.
Ins internationale Licht gerückt wurde das Thema durch den Vortrag des amerikanischen Historikers Patrick Major von der University of Reading, der sich mit den gesellschaftlichen Umständen auseinandersetzte: "Der 13. August war für die Bevölkerung zunächst Schock und Resignation", erklärte der Gastreferent. "Man hatte nicht erwartet, was kam." Denn bis zum Bau der Mauer hatte die DDR-Regierung das Volk bewusst in Unwissenheit gelassen. Mit der Grenzerrichtung wurde dann nicht nur das Land, sondern vor allem die Gesellschaft von einem Tag auf den nächsten auseinander gerissen. Zwar gab es solidarische Protest-Aktionen mit der Westbevölkerung, diese wurden jedoch schnell von der DDR-Regierung unterdrückt.
Vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht zeigte sich das machtpolitische Kräftemessen. "Man wollte den Wohlfahrtsrückstand gegenüber dem Westen aufholen", sagte André Steiner vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Sowjetische Wirtschaftskrise und Arbeiterstreiks zwangen die SED-Führung, ihre Wirtschaftspolitik zu ändern und mit der Einführung des "Neuen Ökonomischen Systems" in Form von volkseigenen Betrieben fortzuführen.
Von der Regierung anfangs noch als "Wall für Frieden" proklamiert, wurde die Mauer nach ihrer Errichtung zunehmend zum Ausdruck eines schrittweisen Machtausbaus und politischen Revoltierens gegen den "kapitalistischen Westen". Dass der Machtrausch der SED-Führung dabei von "Siegestaumel und Selbstüberzeugung" gezeichnet war, wird laut Gerhard Sälter, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Berliner Mauer, vor allem anhand der beschönigten Regierungsberichte deutlich. Wer sich innerhalb der eigenen Reihen hingegen nicht an diesem Rausch beteiligte, bekam die staatliche "Lizenz für offenen Straßenterror" zu spüren. SED-Funktionären, die nicht aktiv hinter dem Staat standen, drohte demnach physische und psychische Gewalt oder die Zwangsaussiedlung.
Weitestgehend unerforscht sind laut Jens Schön, Stellvertreter des Berliner Landesbeaufragten für die Stasi-Unterlagen, hingegen "Der Mauerbau und seine Konsequenzen auf dem Lande". Während die Stadtbevölkerung in unmittelbarer Nähe zum Bau der Mauer stand, erfolgten Repression und Zwangskollektivierung in den Dörfern vorwiegend unter dem Deckmantel des "Sozialistischen Frühlings". Entsprechend war auch die Anzahl der Volksproteste in der Stadt deutlich höher.
Wer an diesem Vormittag den Vorträgen der vier Historiker lauschte, bekam nicht nur einen Eindruck davon, was das "Eingemauertsein" in der DDR nach 1961 bedeutete, sondern auch, wie es möglich ist, das Thema vermittlungs- und vortragskompetent aus seiner "grauen Hülle" heraus hinein in die Gegenwart zu tragen.
Karo Krämer
Foto: Karo Krämer
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Wie sah die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Lage in der DDR nach dem Bau der Mauer aus? Dieser Frage gingen die Referenten Dr. Gerhard Sälter, Prof. Dr. Patrick Major, Prof. Dr. André Steiner und Dr. Jens Schöne nach. Dass die Vorträge dabei weniger vor neuen Forschungserkenntnissen strotzten, war angesichts ihres informativen und vor allem kompakten Gehaltes zweitrangig.
Ins internationale Licht gerückt wurde das Thema durch den Vortrag des amerikanischen Historikers Patrick Major von der University of Reading, der sich mit den gesellschaftlichen Umständen auseinandersetzte: "Der 13. August war für die Bevölkerung zunächst Schock und Resignation", erklärte der Gastreferent. "Man hatte nicht erwartet, was kam." Denn bis zum Bau der Mauer hatte die DDR-Regierung das Volk bewusst in Unwissenheit gelassen. Mit der Grenzerrichtung wurde dann nicht nur das Land, sondern vor allem die Gesellschaft von einem Tag auf den nächsten auseinander gerissen. Zwar gab es solidarische Protest-Aktionen mit der Westbevölkerung, diese wurden jedoch schnell von der DDR-Regierung unterdrückt.
Vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht zeigte sich das machtpolitische Kräftemessen. "Man wollte den Wohlfahrtsrückstand gegenüber dem Westen aufholen", sagte André Steiner vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Sowjetische Wirtschaftskrise und Arbeiterstreiks zwangen die SED-Führung, ihre Wirtschaftspolitik zu ändern und mit der Einführung des "Neuen Ökonomischen Systems" in Form von volkseigenen Betrieben fortzuführen.
Von der Regierung anfangs noch als "Wall für Frieden" proklamiert, wurde die Mauer nach ihrer Errichtung zunehmend zum Ausdruck eines schrittweisen Machtausbaus und politischen Revoltierens gegen den "kapitalistischen Westen". Dass der Machtrausch der SED-Führung dabei von "Siegestaumel und Selbstüberzeugung" gezeichnet war, wird laut Gerhard Sälter, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Berliner Mauer, vor allem anhand der beschönigten Regierungsberichte deutlich. Wer sich innerhalb der eigenen Reihen hingegen nicht an diesem Rausch beteiligte, bekam die staatliche "Lizenz für offenen Straßenterror" zu spüren. SED-Funktionären, die nicht aktiv hinter dem Staat standen, drohte demnach physische und psychische Gewalt oder die Zwangsaussiedlung.
Weitestgehend unerforscht sind laut Jens Schön, Stellvertreter des Berliner Landesbeaufragten für die Stasi-Unterlagen, hingegen "Der Mauerbau und seine Konsequenzen auf dem Lande". Während die Stadtbevölkerung in unmittelbarer Nähe zum Bau der Mauer stand, erfolgten Repression und Zwangskollektivierung in den Dörfern vorwiegend unter dem Deckmantel des "Sozialistischen Frühlings". Entsprechend war auch die Anzahl der Volksproteste in der Stadt deutlich höher.
Wer an diesem Vormittag den Vorträgen der vier Historiker lauschte, bekam nicht nur einen Eindruck davon, was das "Eingemauertsein" in der DDR nach 1961 bedeutete, sondern auch, wie es möglich ist, das Thema vermittlungs- und vortragskompetent aus seiner "grauen Hülle" heraus hinein in die Gegenwart zu tragen.
Karo Krämer
Foto: Karo Krämer






