Dossier: Stasi
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Kalenderblatt: Staatsfeind Schriftsteller (Berlin)
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Datum
09.05.1999
Kategorien
Opposition & Widerstand
Stasi & Spionage
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Ein junger Schriftsteller gilt in der DDR als einer der größten Staatsfeinde. Vor 10 Jahren erlag der Poet und Psychologe Jürgen Fuchs, einer der bedeutendsten Gegner des DDR-Regimes, mit gerade einmal 48 Jahren einem Krebsleiden.
Jürgen Fuchs wird am 19. Dezember 1950 in Reichenbach im Vogtland geboren. Gerade einmal 17 Jahre alt, beteiligt er sich an den Protesten zum Prager Frühling 1968. Von seiner Schulleitung wird er daraufhin als ´politisch unzuverlässig´ eingestuft, studieren darf er zunächst nicht.
Erst 1971 kann Fuchs in Jena ein Universitätsstudium aufnehmen, zwei Jahre später wird er Mitglied der SED. Er will die DDR von Innen her verändern, schreibt kritische Gedichte und wird nach einem Auftritt mit dem Texter der DDR-Band Renft und der Liedermacherin Bettina Wegner aus der Partei ausgeschlossen. Wenig später muss Jürgen Fuchs die Universität verlassen: Er wird aus politischen Gründen zwangsexmatrikuliert. Mit seiner Frau Lieselotte und der kleinen Tochter Lili zieht Fuchs daraufhin zu den bekannten DDR-Oppositionellen Katja und Robert Havemann nach Berlin.
Weil er offen gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann protestiert, wird Jürgen Fuchs ein knappes Jahr später, am 19. November 1976, verhaftet. Neun Monate verbringt er im Untersuchungsgefängnis des MfS in Berlin-Hohenschönhausen, dann wird Fuchs nach West-Berlin ausgewiesen. Dort engagiert er sich nicht nur als Psychologe für Problemjugendliche, auch die Kontakte zu DDR-Oppositionellen, zur tschechischen Charta 77 und zur polnischen Solidarnosc hält er weiter aufrecht. Weil er offen über die Stasi und den Freikauf von Gefangenen schreibt und spricht, leitet das Ministerium für Staatssicherheit der DDR 1982 ein Ermittlungsverfahren gegen Jürgen Fuchs ein und gibt ´Zersetzungsmaßnahmen´ in Auftrag. 1986 explodiert eine Bombe vor dem Haus von Jürgen Fuchs, Planungen sahen sogar die Installation einer radioaktiven Quelle in Fuchs´ Wohnung vor.
Am 9. Mai 1999 stirbt Jürgen Fuchs, der sich nach der Wiedervereinigung leidenschaftlich um die Aufarbeitung der MfS-Verbrechen bemüht, an Leukämie. Nach wie vor ist ungeklärt, ob sein Tod Folge einer vom MfS herbeigeführten Verstrahlung war.
Auf DeineGeschichte findet ihr einen spannenden Videobeitrag zu Leben und Wirken von Jürgen Fuchs: "Staatsfeind Nr. 1".
Aus Anlass des 10. Todestages von Jürgen Fuchs gab es ferner einen Themenschwerpunkt zur Dissidenz in der DDR auf unserem Schwester-Portal www.friedlicherevolution.de.
Foto: Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Das Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt.
Jürgen Fuchs wird am 19. Dezember 1950 in Reichenbach im Vogtland geboren. Gerade einmal 17 Jahre alt, beteiligt er sich an den Protesten zum Prager Frühling 1968. Von seiner Schulleitung wird er daraufhin als ´politisch unzuverlässig´ eingestuft, studieren darf er zunächst nicht.
Erst 1971 kann Fuchs in Jena ein Universitätsstudium aufnehmen, zwei Jahre später wird er Mitglied der SED. Er will die DDR von Innen her verändern, schreibt kritische Gedichte und wird nach einem Auftritt mit dem Texter der DDR-Band Renft und der Liedermacherin Bettina Wegner aus der Partei ausgeschlossen. Wenig später muss Jürgen Fuchs die Universität verlassen: Er wird aus politischen Gründen zwangsexmatrikuliert. Mit seiner Frau Lieselotte und der kleinen Tochter Lili zieht Fuchs daraufhin zu den bekannten DDR-Oppositionellen Katja und Robert Havemann nach Berlin.
Weil er offen gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann protestiert, wird Jürgen Fuchs ein knappes Jahr später, am 19. November 1976, verhaftet. Neun Monate verbringt er im Untersuchungsgefängnis des MfS in Berlin-Hohenschönhausen, dann wird Fuchs nach West-Berlin ausgewiesen. Dort engagiert er sich nicht nur als Psychologe für Problemjugendliche, auch die Kontakte zu DDR-Oppositionellen, zur tschechischen Charta 77 und zur polnischen Solidarnosc hält er weiter aufrecht. Weil er offen über die Stasi und den Freikauf von Gefangenen schreibt und spricht, leitet das Ministerium für Staatssicherheit der DDR 1982 ein Ermittlungsverfahren gegen Jürgen Fuchs ein und gibt ´Zersetzungsmaßnahmen´ in Auftrag. 1986 explodiert eine Bombe vor dem Haus von Jürgen Fuchs, Planungen sahen sogar die Installation einer radioaktiven Quelle in Fuchs´ Wohnung vor.
Am 9. Mai 1999 stirbt Jürgen Fuchs, der sich nach der Wiedervereinigung leidenschaftlich um die Aufarbeitung der MfS-Verbrechen bemüht, an Leukämie. Nach wie vor ist ungeklärt, ob sein Tod Folge einer vom MfS herbeigeführten Verstrahlung war.
Auf DeineGeschichte findet ihr einen spannenden Videobeitrag zu Leben und Wirken von Jürgen Fuchs: "Staatsfeind Nr. 1".
Aus Anlass des 10. Todestages von Jürgen Fuchs gab es ferner einen Themenschwerpunkt zur Dissidenz in der DDR auf unserem Schwester-Portal www.friedlicherevolution.de.
Foto: Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Das Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt.






