Dossier: Frauen in Haft
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Rezension: "Ein Tag zählt wie ein Jahr" (Hoheneck)
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Datum
21.03.2012
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Staat & Gesellschaft
Opposition & Widerstand
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"Ungesetzliche Verbindungsaufnahme", "Staatsfeindliche Hetze" und "ungesetzliche Sammlung von Nachrichten", so hießen u.a. die Anklagepunkte, die in das DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck führten. Die Dokumentation "Ein Tag zählt wie ein Jahr", die von Kristina Derfler und Dietmar Klein produziert und durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert wurde, dokumentiert anhand von sieben Zeitzeugen-Porträts den Gefängnisalltag der aus politischen Gründen Inhaftierten in Hoheneck. Insbesondere als Lehrmaterial ausgewiesen, enthält die DVD zusätzlich umfangreiches didaktisches Begleitmaterial.
Der Film ist in zwei Ebenen gegliedert. Zum einen wird der generelle Umgang mit politisch Andersdenkenden in der DDR thematisiert, zum anderen veranschaulichen Erzählerin und Zeitzeugen anhand konkreter Erfahrungen die unmenschlichen Haftbedingungen im Frauengefängnis Hoheneck. Darüber hinaus gewährt der Film Einblick in das Leben der Interviewten nach ihrer Gefangenschaft und beleuchtet ihren Umgang mit den Hafterfahrungen.
Nachdem 1950 etwa 1100 weibliche Häftlinge aus den sowjetischen Speziallagern Bautzen und Sachsenhausen nach Hoheneck verlegt wurden, war dies die Geburtsstunde des berüchtigten Frauengefängnisses Hoheneck. Aus katastrophalen Haftbedingungen kommend, hofften die Neuankömmlinge bei dem deutschen Gefängnispersonal auf verbesserte Behandlung. Dass dieser aussichtslose Optimismus alsbald der Realität weichen musste, davon wissen auch die ehemaligen Hoheneckerinnen der Filmdokumentation zu berichten.
Der Alltag in der Haftanstalt Hoheneck war von einem Klima aus Einschüchterung, Gewalt, körperlicher und seelischer Erschöpfung geprägt. Zusammen mit Kriminellen untergebracht, waren die "Politischen" durch die Zellenvorsteherinnen besonderen Demütigungen ausgesetzt. Jede kleine Regelabweichung wurde gnadenlos bestraft. Gängige Strafen waren Einzelhaft, Dunkelarrest oder die besonders perfide Maßregelung in der Wasserzelle. Doch die skrupellose Behandlung nahm hier nicht ihr Ende. In Drei-Schichtarbeit mussten die Frauen u.a. Strumpfhosen, Wandteppiche und Elektromotoren herstellen, von dessen Verkauf in den Westen die DDR profitierte. Durch die karge, schlechte Verpflegung fielen den Frauen Zähne und Haare aus. Die spartanische Zelleneinrichtung sowie die kümmerlichen "Sanitäranlagen" führten zu gehäuften Erkrankungen. Bei der medizinischen Versorgung der Inhaftierten war es nicht unüblich, Psychopharmaka auszuhändigen. Zudem wurden in Haft zur Welt gekommene Kinder früh der Mutter entzogen, was für Mutter und Kind weitreichende Konsequenzen hatte.
Dem Film gelingt es durch das Einspielen von Originaldokumenten, Fotos und aktuellen Aufnahmen des Gefängnisses, den Widersinn der Haftstrafen gegen politisch Oppositionelle darzustellen und die in Absurdität mündenden Hohenecker Haftbedingungen wider zu geben. Besonderes Augenmerk legt der Film auf die Darstellung der Eltern-Kind-Beziehungen, die sich - geprägt durch die Trennung während der Haftzeit - als oftmals komplex, mühsam und kompliziert herausstellen. Die Frage nach Schuld und Gerechtigkeit stellt sich hier von einer ganz anderen Warte.
Der Film "Ein Tag zählt wie ein Jahr" wirft die Frage auf, wie es im Fall des DDR-Frauengefängnisses Hoheneck um das Maß und Ausmaß von Gerechtigkeit bestellt ist. Durch die Haft hervorgerufene psychosomatischen Erkrankungen, der abgerissene Kontakt zu den eigenen Kindern und die fehlende Verurteilung der Täter NACH 1989 geben ein ernüchterndes Bild. Ein Tag zählt wie ein Jahr und ein Jahr länger als ein Leben?
Text: Johanna Seeger. Die Autorin absolviert zur Zeit ein Praktikum bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Foto: Das ehemalige DDR-Frauengefängnis Hoheneck im Winter 2011 (Flickr / gravitat-OFF)
Kurzinfo:
Der Dokumentarfilm "Ein Tag zählt wie ein Jahr" ist eine Produktion von Kristin Derfler und Dietmar Klein, gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, 2010. Zu Wort kommen Elisabeth Warschau, Tatjana Sterneberg, Ellen Thiemann, Helga Riede, Anita Goslar, Regina, Karl-Heinz und Bert Labahn sowie Uta Franke.
Laufzeit der Dokumentation: ca. 42 Minuten
Schutzgebühr: 7,50 €
Die DVD enthält umfangreiches didaktisches Begleitmaterial, erstellt von www.paedigi.de.vu, zudem den Mitschnitt einer Veranstaltung zum Thema Hoheneck in der Goethe-Mittelschule Breitenbrunn vom Oktober 2009 (13 Minuten) sowie die Computeranimation "Eingemauert! Die innerdeutsche Grenze"- DW-TV, Deutsche Welle 2009 (10 Minuten).
Der Film ist in zwei Ebenen gegliedert. Zum einen wird der generelle Umgang mit politisch Andersdenkenden in der DDR thematisiert, zum anderen veranschaulichen Erzählerin und Zeitzeugen anhand konkreter Erfahrungen die unmenschlichen Haftbedingungen im Frauengefängnis Hoheneck. Darüber hinaus gewährt der Film Einblick in das Leben der Interviewten nach ihrer Gefangenschaft und beleuchtet ihren Umgang mit den Hafterfahrungen.
Nachdem 1950 etwa 1100 weibliche Häftlinge aus den sowjetischen Speziallagern Bautzen und Sachsenhausen nach Hoheneck verlegt wurden, war dies die Geburtsstunde des berüchtigten Frauengefängnisses Hoheneck. Aus katastrophalen Haftbedingungen kommend, hofften die Neuankömmlinge bei dem deutschen Gefängnispersonal auf verbesserte Behandlung. Dass dieser aussichtslose Optimismus alsbald der Realität weichen musste, davon wissen auch die ehemaligen Hoheneckerinnen der Filmdokumentation zu berichten.
Der Alltag in der Haftanstalt Hoheneck war von einem Klima aus Einschüchterung, Gewalt, körperlicher und seelischer Erschöpfung geprägt. Zusammen mit Kriminellen untergebracht, waren die "Politischen" durch die Zellenvorsteherinnen besonderen Demütigungen ausgesetzt. Jede kleine Regelabweichung wurde gnadenlos bestraft. Gängige Strafen waren Einzelhaft, Dunkelarrest oder die besonders perfide Maßregelung in der Wasserzelle. Doch die skrupellose Behandlung nahm hier nicht ihr Ende. In Drei-Schichtarbeit mussten die Frauen u.a. Strumpfhosen, Wandteppiche und Elektromotoren herstellen, von dessen Verkauf in den Westen die DDR profitierte. Durch die karge, schlechte Verpflegung fielen den Frauen Zähne und Haare aus. Die spartanische Zelleneinrichtung sowie die kümmerlichen "Sanitäranlagen" führten zu gehäuften Erkrankungen. Bei der medizinischen Versorgung der Inhaftierten war es nicht unüblich, Psychopharmaka auszuhändigen. Zudem wurden in Haft zur Welt gekommene Kinder früh der Mutter entzogen, was für Mutter und Kind weitreichende Konsequenzen hatte.
Dem Film gelingt es durch das Einspielen von Originaldokumenten, Fotos und aktuellen Aufnahmen des Gefängnisses, den Widersinn der Haftstrafen gegen politisch Oppositionelle darzustellen und die in Absurdität mündenden Hohenecker Haftbedingungen wider zu geben. Besonderes Augenmerk legt der Film auf die Darstellung der Eltern-Kind-Beziehungen, die sich - geprägt durch die Trennung während der Haftzeit - als oftmals komplex, mühsam und kompliziert herausstellen. Die Frage nach Schuld und Gerechtigkeit stellt sich hier von einer ganz anderen Warte.
Der Film "Ein Tag zählt wie ein Jahr" wirft die Frage auf, wie es im Fall des DDR-Frauengefängnisses Hoheneck um das Maß und Ausmaß von Gerechtigkeit bestellt ist. Durch die Haft hervorgerufene psychosomatischen Erkrankungen, der abgerissene Kontakt zu den eigenen Kindern und die fehlende Verurteilung der Täter NACH 1989 geben ein ernüchterndes Bild. Ein Tag zählt wie ein Jahr und ein Jahr länger als ein Leben?
Text: Johanna Seeger. Die Autorin absolviert zur Zeit ein Praktikum bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Foto: Das ehemalige DDR-Frauengefängnis Hoheneck im Winter 2011 (Flickr / gravitat-OFF)
Kurzinfo:
Der Dokumentarfilm "Ein Tag zählt wie ein Jahr" ist eine Produktion von Kristin Derfler und Dietmar Klein, gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, 2010. Zu Wort kommen Elisabeth Warschau, Tatjana Sterneberg, Ellen Thiemann, Helga Riede, Anita Goslar, Regina, Karl-Heinz und Bert Labahn sowie Uta Franke.
Laufzeit der Dokumentation: ca. 42 Minuten
Schutzgebühr: 7,50 €
Die DVD enthält umfangreiches didaktisches Begleitmaterial, erstellt von www.paedigi.de.vu, zudem den Mitschnitt einer Veranstaltung zum Thema Hoheneck in der Goethe-Mittelschule Breitenbrunn vom Oktober 2009 (13 Minuten) sowie die Computeranimation "Eingemauert! Die innerdeutsche Grenze"- DW-TV, Deutsche Welle 2009 (10 Minuten).






